Vegan auf Reisen

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Ein Interview mit Linda von „V“eltenbummler

Auf ihrem Blog „V“eltenbummler gibt Linda Tipps zum Thema veganes Reisen. Bei ihr findet man viele nützliche Infos zur Reiseplanung, Hotelsuche, leckere Restauranttipps und tolle Reiseberichte. Kurzum: Wer plant sich auch auf Reisen vegan zu ernähren, sollte bei Lindas Blog vorbeischauen. Lies‘ hier im Interview, dass es gar nicht so schwer ist, sich vegan auf Reisen zu ernähren und wie du deine vegane Reise am besten planst. 

 

Linda, stell dich und deinen Blog doch kurz vor. Wie lange lebst du schon vegan und wie bist du dazu gekommen?

Ich lebe mittlerweile seit August 2011 vegan, also bald 3 Jahre lang. Der Blog entstand, nachdem ich als relativ frischgebackene Veganerin mit meinem Mann in Paris war. Da haben viele Facebook-Freunde mich gebeten, eine Art veganen Reiseführer zu schreiben, weil ich so viele tolle Restaurants gefunden und Bilder vom Essen gepostet habe. Das war die Geburtsstunde meines Blogs. Ich erzähle dort von all meinen Reisen und Ausflügen. Auf den Namen „V“eltenbummler kam ich, weil eine Freundin mich immer als Weltenbummlerin bezeichnet hat. Ich denke aber, der Blog ist nicht nur für Veganerinnen und Veganer interessant, sondern auch z.B. für Vegetarier und Allergiker. Denn oft gehe ich in Bio-Restaurants oder auch rein vegetarische und vegane Restaurants, dort ist es meistens so, dass die Zutaten genau deklariert sind, also auch Allergene wie beispielsweise Nüsse oder Soja. Und glutenfreie Gerichte stehen dort auch oft auf der Karte und sind auch als solche gekennzeichnet.

 

Ist es wirklich so schwierig auf Reisen vegan zu leben wie sich das manche Menschen vorstellen?

Ich finde es gar nicht schwierig. Schließlich lebe ich im Bratwurst- und Schweinebraten-Land (Achtung, Klischee!) und da ist es auch relativ unproblematisch. Wer in Deutschland klarkommt, der schafft das auch woanders. Und zur Not kann man sich ja auch auf Reisen selbst verpflegen. Reisen hat viel mit Offenheit und Toleranz zu tun und das Gleiche gilt auch fürs Essen. Ich gehe generell freundlich und offen auf Menschen zu und genau so kommt es dann auch meistens zurück. Die meisten Restaurants sind sehr bestrebt, ihre Gäste glücklich zu machen. Und Gastfreundschaft wird in anderen Ländern auch oft größer geschrieben als bei uns. Vielleicht liegt es auch daran, dass man im Urlaub entspannter ist als im Alltag.

 

Wo bist du überall schon vegan rumgereist?SONY DSC

Das war u.a. Dubai, Paris, Österreich, England und die USA. Und viele Städte innerhalb Deutschlands habe ich mittlerweile auch besucht. Besonders toll finde ich, dass mittlerweile schon sehr viele Gastbeiträge von anderen Veganerinnen auf meinem Blog zu finden sind. Schließlich kann ich auch nicht 365 Tage im Jahr unterwegs sein. Und jeder verbringt einen Urlaub anders, durch die Gastbeiträge wird der Blog vielfältiger und interessanter.

 

In manchen Ländern ist „vegan“ ein Fremdwort. Was war bisher deine größte Herausforderung und wo bist du an deine Grenzen gestoßen?

Ich fand Frankreich zu Anfang ziemlich schwierig, allerdings war ich da auch noch nicht so routininiert. Ich habe das Gefühl, bei kleinen Änderungswünschen (z.B. wenn man den Salat gerne ohne die Froschschenkel bestellen würde) fühlen sich die Franzosen in ihrer Ehre beleidigt. Schließlich gilt die französische Küche als besonders edel. Statt in konventionelle Restaurants bin ich dann einfach in rein vegetarische oder vegane Locations gegangen, zumindest in Paris gibt es davon eine ganze Menge. Und auch in den Supermärkten findet man einiges, z.B. eine große Auswahl an Pflanzenmilch (auch so außergewöhnliche Sorten wie Maronenmilch), Sojajoghurts usw.

 

Thema Reiseplanung: Wie kann ich bereits im Vorfeld meine Reise planen um mich möglichst gut unterwegs vegan ernähren zu können?

Zuerst schaue ich auf der Homepage von VeggieHotels, ob es an meinem Reiseziel eine Unterkunft gibt mit veganer Verpflegung. Ist dies nicht der Fall, dann suche ich Cafés heraus, wo es ein veganes Frühstücksangebot gibt. Über Google Maps finde ich dann heraus, wo man in der Nähe übernachten kann. Damit ist dann schon ein wichtiger Schritt getan.

 

Wo recherchierst du, wenn du nach veganen Hotels und Restaurants suchst?

Das ist einmal wie erwähnt die Seite von VeggieHotels und nach Restaurants suche ich ganz einfach über Google. Außerdem ist HappyCow noch eine tolle Seite.

 

Was darf in keinem veganen Reiserucksack fehlen?

Ich empfehle, Snacks für unterwegs einzupacken, wenn man nicht absehen kann, wann und wo man etwas Veganes zu essen bekommt, geeignet sind dafür z.B. Nussmischungen, Frucht- oder Müsliriegel, Datteln und Obst. Ich habe außerdem oft eine Flasche mit Kohlefilter bei mir, um mir Leitungswasser abzufüllen und zu filtern. So etwas ist wirklich praktisch.

Außerdem nehme ich immer mein eigenes Duschgel, Shampoo usw. mit, ich will ja nicht das Zeug aus dem Hotel benutzen, wo evtl. tierische Bestandteile drin sind und/oder das an Tieren getestet wurde.

 

Hast du Geheimtipps? Welche Länder oder Städte kannst du für vegane Reisen empfehlen?

Die USA sind sehr offen und uns weit voraus bei der Qualität von veganen Gerichten. Das gilt allerdings aber eher für die größeren Städte wie New York und nicht für die Provinz. Großbritannien hat viele Bed & Breakfasts zu bieten, die vegetarische oder sogar vegane Verpflegung anbieten und man findet in den Städten einige für Veganer geeignete Restaurants. Glutenfrei und rohköstlich ist mir dort auch oft an in den Speisekarten aufgefallen, was bei uns ja noch gar nicht so weit verbreitet ist. Und auch Österreich hat mich überrascht, dort gibt es in den Supermärkten viele vegane Produkte, zwei größere Bäckereien führen eine Auflistung mit veganen Produkten auf deren Homepages und in Wien ist die Auswahl an Cafés und Restaurants mit veganem Speisenangebot so groß, dass es einer wahren Reizüberflutung gleichkommt.

 

Vielen Dank für das Interview! 

Wer noch mehr Infos zum Thema veganes Reisen sucht, der sollte unbedingt bei Lindas Blog „V“eltenbummler  vorbeischauen. Ausserdem gibt’s hier noch ein paar hilfreiche Links für eine perfekte Reiseplanung:

Veggie Hotels – Tolle Seite nach Ländern unterteilt mit Bewertungen und vielen Bildern. Sehr empfehlenswert!

Deutschland is(s)t vegan – viele Infos zum Thema Veganismus und Tipps vor allem für Städtereisen in Deutschland.

 PETAs Restaurantführer  – Alphabetisch sortiert, wo man in Deutschland gut vegan essen gehen kann.

Happy Cow – Wie von Linda empfohlen, einfach eine super Seite zum Suchen von veganen Möglichkeiten auf der ganzen Welt.

Mehr Links findest du auch auf Lindas Blog!

 

Du bist Vegetarier oder Veganer und hast noch mehr Tipps? Dann teile sie mit uns in den Kommentaren!

 

 


Hola, ich bin Anne und liebe das unterwegs-und-draußen sein. In diesem Sommer tauschen wir unsere Wohnung gegen einen Van und reisen quer durch Europa. Vamos!

  1. Synke

    27. Mai 2014

    Hallo Anne, hallo Linda,

    ich bin bei der Lagebesprechung im Blogcamp auf diesen Post aufmerksam geworden und war sehr gespannt! Toll das Du Dich diesem Thema widmest! Den Blog von Linda kannte ich bisher noch nicht! Sofort geadded ;)

    Ich bin seit über 14 Jahren Vegetarier und probiere es seit ein paar Monaten mit veganer Ernährung. Auf Reisen im Ausland finde ich es teilweise oft einfacher als in Deutschland sich vegan zu ernähren. Vor allem wenn man die Großstädte verlässt.

    Ich war Anfang des Jahres in Thailand. Dort war es teilweise nicht immer einfach sich vegan bzw. vegetarisch zu ernähren. Dem Thema habe ich auf meine Blog auch mal einen Beitrag gewidmet: http://synke-unterwegs.de/entdeckung-des-schlaraffenlands
    In Kambodscha und Myanmar dagegen fiel es mir wesentlich leichter.

    Mein Tipp fürs Reisen: Im Flieger kann man bei der Buchung oder über die Hotline sein ganz spezielles Essen vorbestellen. Das klappt zu 98% immer. Falls man es doch mal vergisst, einfach die Flugbegleiter freundlichen fragen. In der Regel haben sie immer ein paar extra Essen an Board.

    Liebe Grüsse!

    • Anne

      15. Juni 2014

      Hey Synke! Sorry für die späte Antwort! Schön, dass dir das Interview gefällt. Ich selbst bin ebenfalls nur Vegetarierin, versuche jedoch viel vegan zu essen. Ich muss zugeben, dass ich meinen Veganismus unter anderem wegen meiner Peru-Reise aufgegeben hatte. Da gibt es nunmal im Restaurant nur Gemüse-Omelette wenn man als Vegetarier essen geht. Wäre man eisern geblieben hätte man es sicherlich allerdings auch geschafft sich weiterhin vegan zu ernähren.
      Danke auch für den Link zu deinem Blogbeitrag! Super geschrieben, und das Problem mit dem „kein Fisch, kein Geflügel“ habe ich auch immer. Die Definitionen, was Vegetarier nun wirklich essen, werden ja selbst in Deutschland oft vermischt :/
      Deinen Tipp für den Flieger finde ich super und ich mache es selbst immer so. Kann ich nur empfehlen. Die Fleischesser um mich rum beneiden mich immer um mein Essen ;-)

      • Synke

        18. Juni 2014

        Stimmt, vorallem bekommt man das extra Menü im Flieger oft schon viel früher und kann als erstes Essen ;) Ich habe gesundheitliche Probleme beim Milchverzehr, deshalb habe ich bei Ei in Asien schon einmal ein Auge zugedrückt. Dort liefen die Hühner, aber auch noch froh und munter herum.

  2. Oli

    15. Juli 2014

    Schönes Interview! Ich kenne Lindas Blog schon länger und finde super, was sie dort macht.

    Was man meiner Meinung nach bei den Antworten berücksichtigen sollte: Linda reist hauptsächlich in der „zivilisierten“ Welt, wenn ich den trotz Anführungszeichen etwas blöden Ausdruck verwenden darf. In Metropolen wie London, Paris, New York oder Dubai ist es natürlich kein Problem, sich vegan zu ernähren, weil der Gedanke dieser Ernährungsart schon angekommen ist und es wohl auch einen grösseren Markt für so was gibt. Aber gerade in abenteuerlicheren Regionen und ausserhalb der Metropolen ist das dann oft sehr viel schwieriger. Ich denke beispielsweise ans indonesische Kadiriri, wo es jeden Tag frischen Fisch und Eier gab und man überhaupt keine Möglichkeit hatte, sich selbst zu versorgen. Insofern denke ich, dass man Lindas „kein Problem“ schon auch mit einer gewissen Vorsicht geniessen sollte.

    Und noch meine ganz persönliche Meinung: Ich finde, dass Reisen damit zu tun hat, neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn man sich der lokalen Küche verschliesst – aus welchen Gründen auch immer – verpasst man sehr viel. Für mich ist deswegen auch klar, dass ich alles versuche, was Einheimische verspeisen. Das Limit sind bei mir geschützte Arten – aber das sollte eigentlich sowieso klar sein. Aber ich will das natürlich keinem Aufschwatzen. :)

    • Anne

      17. Juli 2014

      Hallo Oli,
      Obwohl du deinen Audruck „zivilisierte Welt“ zwar relativierst, angebracht finde ich ihn nicht. Das impliziert ja, dass diese Länder nicht zivilisiert wären, finde ich eine sehr eurozentristische Weltansicht. Vielleicht sollte man sagen Schwellenländer? Aber ich weiß natürlich was du meinst und kann deinen Einwand auch verstehen. Mir ging es damals genauso als ich für längere Zeit in Peru gelebt habe.
      Ich hatte mich die Monate vor meiner Reise versucht vegan zu ernähren. Als ich in Peru gemerkt habe, dass selbst vegetarisches Essen manchmal schwer zu bekommen ist, wenn man nicht in das totale Touri-Café geht, habe ich wenigstens wieder Eier und Milch zu mir genommen.
      Das mit den Reiseerfahrungen finde ich zwar nachvollziehbar, würde ich aber selbst so nicht sehen. Ich denke ich muss keine Erfahrungen machen, die ich ethisch nicht vertreten kann, zum Beispiel Strierhatz in Pamplona etc. Und wenn für mich „Tiere essen“ nicht vertretbar ist, würde ich es auch nicht für die „kulinarische Erfahrung machen“.
      Wie gesagt, deinen Einwand kann ich verstehen, aber denke jeder muss selbst wissen wo für ihn die Grenzen liegen… LG :)

  3. Linda

    7. August 2014

    Hallo Anne und Oli,

    Klar kann ich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten und ich fahre halt mehr so in 08/15-Länder, wo eben die meisten Leute Urlaub machen. Für Abenteuerlustige wie Oli ist das bestimmt langweilig, aber dafür spreche ich damit ein relativ breites Publikum an.

    Das mit dem landestypischen Essen sehe ich übrigens genauso so und in vielen Ländern gibt es auch traditionelle Gerichte ohne tierische ZUtaten wie z.B. im Nahen Osten Falafel, Hummus & Co oder in Italien Spaghetti mit Tomatensoße oder Pizza mit Gemüse (und ohne Käse). Wenn ich kein Fleisch esse, habe ich nicht das Problem, etwas zu verpassen ;)

    • Anne

      8. August 2014

      Hallo Linda!
      Schön, dass du mal wieder vorbeischaust :)
      08/15-Länder finde ich sind das nicht, jeder muss einfach selbst wissen welches Land ihn anspricht und was er kennen lernen möchte. Es würde ja auch ziemlich eng plötzlich auf der Welt wenn alle im selben Land wären ;-)
      Und du hast Recht, viel ist auch komplett pflanzlich. Es kommt immer auf den Kulturkreis an…

  4. Solopacker

    22. September 2014

    Hey, bin auf deinen Artikel über den Tweet bei Twitter gestoßen. Ich bin zur Zeit in Melbourne und setze mich viel mit dem Thema Essen und unterschiedlichen Ernährungsformen auseinander. Heute ging meine zwei montägige vegan Challenge zu Ende und auch ich muss sagen, das es hier relativ easy war sich Vegan zu ernähren. Die Stadt bietet gute vegetarische Restaurants, die mittlerweile einen Großteil an Veganen Optionen anbieten. Ich denke immer wo ein Wille, da ist auch ein Weg und wie Linda schon sagt, gute Planung ist alles.

    Lieben Gruß Pia alias Solopacker

    • Anne

      29. September 2014

      Hey Pia, danke für deinen Kommentar. Ich sehe das auch so. Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Wobei das, natürlich abhängig von Land und Region ein echt eiserner Wille sein muss ;-) Bis bald mal, liebe Grüße!

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