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Höhenrausch beim Trekking in der Cordillera Blanca...

Höhenrausch beim Trekking in der Cordillera Blanca in Peru

Wer an Trekking in Peru denkt, der denkt automatisch auch an den Inka Trail, an Machu Picchu und die südlichen Anden rund um Cusco und das heilige Tal. Doch die Anden ziehen sich quer durch das ganze Land, von Süden bis hoch in den Norden. Und im Norden versteckt sich ein echtes Schmuckstück: Die Cordillera Blanca – eine gewaltige Kette schneebedeckter Bergriesen mit 33 weißen Gipfeln mit mehr als 5.400 Metern Höhe. Die Landschaft wirkt wie eine Fototapete, weiße Gletscher und strahlende Schneegipfel rahmen hier türkisblaue Lagunen ein und glasklare Flüsse schlängeln sich vom Gletscher durch die saftig grünen Täler. Und genau diese Landschaft eignet sich hervorragend für ein Trekking in der Cordillera Blanca!

Ausgangspunkt eines Cordillera Blanca Trekkings ist die Stadt Huaraz. Eine historische Altstadt gibt es hier nicht mehr, 1970 zerstörte ein Erdbeben fast die gesamte Stadt und 18.000 Menschen wurden unter riesigen Schlammlawinen begraben. Seit den 1990er Jahren erlebt die Stadt jedoch einen Aufschwung und gilt längst als das Kathmandu Südamerikas. Den Huascarán, den höchsten Berg Perus mit 6768 Metern hat man hier immer fest im Blick. Er wirkt so nah, und doch so unwirklich.

Die Stadt umgibt eine Abenteuerlust und die Straßen sind voller Touragenturen, die einen den Aufstieg in eisige Höhen ermöglichen. Zum Dresscode gehören hier offenbar Wanderschuhe und Trekkinghosen. In den Cafés und Restaurants hängen Bilder von Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt, es riecht nach Abenteuer und Wildnis, nach Risiko und Adrenalin. Man kann sich dem Ganzen einfach nicht entziehen. 5 Tage waren wir rund um Huaraz unterwegs und haben uns dem Höhenrausch beim Trekking in der Cordillera Blanca hingegeben.

Cordillera Blanca Trekking

Unwirkliche Landschaften auf dem Weg zur Llanganuco Mountain Lodge. Immer im Blick: Der Huascarán, der höchste Berg Perus mit 6768 Metern.

Trekking in der Cordillera Blanca – Dünne Luft und weiße Gipfel

Wir haben wahnsinnig gut geschlafen, uns akklimatisiert und bestens gefrühstückt als wir am Dienstagmorgen von unserem Guide Willy und dem Fahrer Hugo im Hotel San Sebastián abgeholt werden. Wir lassen das wuselige Huaraz hinter uns und fahren an kleinen Dörfern vorbei immer dem mächtigen Huascarán, dem höchsten Berg Perus entgegen. Hugo fährt uns durch die Region Callejón de Huaylas und wir machen einen kurzen Stopp in Carhuaz und Yungay, zwei kleinen Dörfern auf ca. 2.500 Metern Höhe.

Yungay wurde 1970 komplett von einer Eis- und Schlammlawine überrollt, fast das gesamte Dorf kam dabei ums Leben. Dort, wo damals das Dorf stand, wacht eine riesige, weiße Christusstatue über dem Friedhof. Das neue Yungay wurde einige hundert Meter weiter neu errichtet.

Das neue Yungay, welches nach der Lawine von 1970 erbaut wurde ist gerade mal ungeähr 40 Jahre alt.

Das neue Yungay, welches nach der Lawine von 1970 erbaut wurde ist gerade mal ungefähr 40 Jahre alt.

Auf dem Weg zur Llanganuco Mountain Lodge.

Unglaubliche Ausblicke auf den Huascarán

Unglaubliche Ausblicke auf den Huascarán

Bei Yungay verlassen wir die Asphaltstraßen und schlagen uns mit dem Jeep über Schottenpisten langsam die Berge hoch. Unser Ziel: Die Llanganuco Mountain Lodge. Unser Jeep hoppelt vorbei an kleinen Hütten, an Schafweiden und Frauen in bunten, andinen Trachten, die auf dem Feld stehen und Mais und Kartoffeln ernten. Die schneeweißen Berge ringsum wirken so nah, als könnte man sie fast berühren.

Nach ca. 3 Stunden Fahrt kommen wir an der Llanganuco Mountain Lodge an. „Habt ihr eure Handys mit?“ fragt uns unser Fahrer Hugo. „Die Betten sind hier so riesig, da werdet ihr euch anrufen müssen um miteinander zu reden“  lacht unser Guide Willy.

Die beiden haben nicht zu viel versprochen. Die Berglodge liegt am Fuße der Berge mit Blick auf das grüne Tal. Zwei Lamas wachen über den Garten, während zwei riesige Hunde sich faul auf der Wiese sonnen.

Die Lodge wird mit Solarenergie betrieben, Elektrizität gibt es nur abends auf den Zimmern, die ansonsten aber purer Luxus sind. Warmes Wasser gibt es hier übrigens rund um die Uhr, Das Wasser kommt direkt vom Gletscher und ist so frisch, dass man es problemlos aus dem Hahn trinken kann, eine echte Seltenheit in Peru. Dem Besitzer der Mountain Lodge, Charlie,  ist nachhaltiges Handeln sehr wichtig. Seine Angestellten sind Bewohner der umliegenden Dörfer, ihm ist es wichtig die lokale Wirtschaft zu stärken.

Cordillera Blanca Trekking

Die Llanganuco Mountain Lodge

Der Ausblick von unserer Terasse in der Llanganuco Mountain Lodge

Der Ausblick von unserer Terasse in der Llanganuco Mountain Lodge

Trekking in der Cordillera Blanca – Tag 1: Durch das Huaytapallana Tal

Wir starten unsere Wanderung zur Mittagszeit und wandern direkt an der Lodge los, vorbei an der Laguna Keushu, einem kleinen türkisen See, der sich durch Regenfälle und den schmelzenden Gletscher gebildet hat. Mehr als 5 Stunden geht es konstant bergauf, immer den Huandoy Gletscher mit seinen 6.160 Metern im Blick. Nach ca. 2 Stunden machen sich bei mir erste Anzeichen der Höhenkrankheit bemerkbar. Ich fühle mich kaputt, bei jedem Schritt höre ich den Puls in meinem Kopf pochen.

Wir machen immer mal wieder eine Pause, trinken etwas, essen ein bisschen Obst. Die Kopfschmerzen werden schlimmer. Wir machen eine längere Pause, setzen uns in den Schatten. Ich habe langsam das Gefühl es wird besser. Also kämpfe ich mich weiter hoch, über Stock und Stein. Ich muss dabei fast permanent um mich schlagen, denn diese fiesen Bremsen schwirren um mich rum wie die Aasgeier.

Nach fast 5 Stunden wandern und 500 Höhenmetern sind wir an unserem Ziel angekommen. Auf dem Rückweg begegnen uns 2 Jungs mit einem Esel. Die beiden holen Gletschereis, welches im naheliegenden Dorf zu echten Raspadillas, einer Art Wassereis verarbeitet wird. Das Gletschereis wird hierbei in in einem Beutel aufbewahrt, der mit getrockneter Eselkacke ausgepolstert wird. Die Kacke wirkt anscheinend so isolierend, dass das Eis auch bei einer mehrstündigen Wanderung nicht schmilzt. Raspadillas sind seit diesem Tag für mich gestorben…

 

Trekking durch das Huaytapallana Tal – Fakten und Wissenswertes:

  • Dauer: ca. 5 Stunden Aufstieg, ca. 2 Stunden Abstieg; inkl. kleiner Pausen
  • ca. 500-600 Höhenmeter (von ca. 3.500 auf ca. 4.000 Meter)
  • unebener Wanderweg
  • unbekannte Strecke, keine anderen Wanderer
Laguna Keushu in der Nähe der Lodge

Laguna Keushu in der Nähe der Lodge

Laguna Keushu

Laguna Keushu

Blick auf den Gletscher

Blick auf den Gletscher

SAMSUNG CSC

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Trekking in der Cordillera Blanca – Tag 2: Trekking zur Laguna 69

Am zweiten Tag brechen wir gleich nach dem Frühstück auf und fahren mit dem Jeep in den Huascarán Nationalpark. Unser erster Stopp heute ist die Laguna Llanganuco. Eigentlich handelt es sich dabei um zwei verschiedene Seen auf ca. 3.850 Metern Höhe: Die Laguna Chinacocha und die Laguna Orconcocha.

Die türkisblaue Farbe eingerahmt in diese riesig hohen Berge bietet eine absolut spektakuläre Kulisse. Ein ideales Panorama, was sich wunderbar für Fotos anbietet.

Nochmal 10 weitere Fahrminuten im Jeep, und wir kommen an einem Campingplatz an an dem unser Trekking für heute beginnt. Die Wanderung lässt sich grob in 2 Abschnitte einteilen. Zunächst wandert man durch das sehr flache Tal. Die Landschaft wirkt fast künstlich mit dem idyllischen Fluss, der sich durch das Tal schlängelt und den Kühen, die auf den grünen Wiesen grasen. Im Hintergrund ragen unverändert die riesigen, schneebedeckten Berge in den Himmel.

Irgendwann beginnt der erste Aufstieg. Im Zickzack geht es den Berg hinauf, vorbei an einem wunderschönen Wasserfall. Dann beginnt der zweite Abschnitt und wieder geht es relativ flach durch ein kleines Tal, an einer weiteren Laguna vorbei und dann der zweite Aufstieg, wieder im nicht enden wollenden Zickzack nach oben. Doch die Anstrengung lohnt sich.

Nach ca. 3,5 Stunden kommen wir an der Laguna 69 an, genießen den Ausblick auf die strahlend türkise Laguna, in die konstant ein kleiner Gletscherwasserfall fließt. Die Anstrengung war es wert. Das muss man einfach mal gesehen haben in seinem Leben.

 

Trekking zur Laguna 69 – Fakten und Wissenswertes:

  • Dauer: ca. 4 Stunden Aufstieg, ca. 1,5 Stunden Abstieg, inkl. kleiner Pausen
  • ca. 700 Höhenmeter (von ca. 3.900 auf ca. 4.600 Meter)
  • 2 Etappen mit je flacher Talwanderung und extremerem Aufstieg im Zickzack
  • sehr bekannte Strecke, viele andere Wanderer
An der Laguna Llanganuco

An der Laguna Llanganuco

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Auf 4600 Metern: Die Laguna 69

Auf 4600 Metern: Die Laguna 69

Fazit des Cordillera Blanca Valley Trekkings:

Die Tour war ein absolut unvergessliches Erlebnis für uns. Unsere Guides Willy und Hugo waren einfach unfassbar hilfsbereit und sehr erfahren. Die beiden haben schon mehrfach die 6.000er um Huaraz bestiegen und für sie war das ganze vermutlich so anstrengend wie ein Sonntagsspaziergang. Dennoch haben sie sich bestens um uns gekümmert, viel aus ihrem Alltag als Guides und Bergführer erzählt und uns die Pflanzen und Tiere der Cordillera Blanca erklärt. Die Natur der Cordillera Blanca ist absolut einzigartig und man sollte auf jeden Fall eine Powerbank und genügend Speicherkarten für seine Kamera dabei haben.

Trotz Höhenkrankheit und kaum Trekkingerfahrung haben wir beide Wanderungen erfolgreich gemeistert. Die Touren sind also absolut für Trekkinganfänger geeignet und sehr empfehlenswert.


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Hinweis: Wir wurden von Erlebe Fernreisen zu dieser insgesamt 4-tägigen Trekkingtour eingeladen – vielen Dank für dieses Abenteuer. Unsere Ansichten bleiben davon natürlich unberührt.


Hola, ich bin Anne und reise im Wohnmobil durch Europa. Ich liebe es, dass sich die Aussicht von meinem fahrenden Zuhause jeden Tag ändert. Mein größter Traum wäre, mit dem Camper einmal durch Lateinamerika zu fahren: Von Mexiko bis nach Feuerland.

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  1. Buhuu, ich hatte es mir damals so fest vorgenommen, nach Huaraz fahren und hab’s dann zeitlich doch nicht mehr geschafft…. wenn ich deine Bilder sehe, reut es micht noch mehr! Nächstes mal dann ;)

    • Anne

      3 August

      Genau, das nächste Mal dann! Das gefällt dir sicherlich sehr gut dort :)

  2. Hallo Anne,
    Ein toller Artikel und einfach umwerfende Photos !!! Ich hab’s noch nie nach Huaraz geschafft, muss ich aber unbedingt einplanen. Und wenn Du sagst, dass es auch für Trekking-Anfänger machbar ist, dann gefällt es mir noch mehr :)
    Ich war überrascht, dass es auf dieser Höhe noch Bremsen gibt ? Gut, dass Du es anmerkst, also auch Insektenspray dabei haben.
    Ganz liebe Grüsse,
    Martina

    • Anne

      3 August

      Hallo Martina,

      danke für deinen netten Kommentar :) Also wenn ich das geschafft habe, dann schaffst du das auch. Ist wirklich nicht so schwer, solange man keine Höhenkrankheit kriegt ;-) Und die Bremsen… puh, also am ersten Tag war es extrem, allerdings immer nur, wenn die Sonne da war…
      Liebe Grüße
      Anne

  3. Lothar

    31 Juli

    Hatte bisher noch nicht mit dem Gedanken gespielt, einmal Urlaub in Peru zu machen. Dein Artikel könnte das aber jetzt ändern! :-)

    • Anne

      3 August

      Hey Lothar,
      das freut mich! Es lohnt sich!
      Viele Grüße
      Anne

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