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Vollzeit-Reisende – So funktioniert mein Leben im ...

Vollzeit-Reisende – So funktioniert mein Leben im Wohnmobil

Seit ich im Wohnmobil durch Europa reise, komme ich immer wieder in Erklärungsnot. „Und, wie lange seid ihr noch unterwegs bevor ihr zurück nach Deutschland müsst?“ Diese Frage höre ich gefühlt alle paar Tage von anderen Wohmobil-Reisenden. Und auch von Lesern bekomme ich mittlerweile einige Nachrichten und Kommentare: „Wie kannst du dir das denn leisten, die ganze Zeit Urlaub zu machen? Hast du so viel gespart? Oder hast du im Lotto gewonnen?“ Da ich also weder 6 Richtige im Lotto, noch unerwartet Geld geerbt habe, will ich in diesem Artikel einfach mal beschreiben, wie ich mir diesen Traum von einem freien, selbstbestimmten Leben im Wohnmobil ermöglichen konnte und wie sich sowas alles organisieren lässt.

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Inhaltsverzeichnis – in diesem Artikel findet ihr:

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Reisen oder Urlaub machen – ist das nicht das Gleiche?

Ich glaube, dass viele denken, dass ich dauerhaft im Urlaub bin. Nee, bin ich nicht. Aber Reisen und Urlaub machen, ist das nicht eigentlich das Gleiche? Nein, ist es nicht. Zumindest nicht für mich. Urlaub machen bedeutet für mich: Nicht arbeiten. Viel entspannen und einfach mal die Seele baumeln lassen. Und auch mal nicht so aufs Geld achten.

Doch meine Reise sieht da ein bisschen anders aus. Denn ich mache nicht nur einfach Urlaub mit dem Wohnmobil. Ich lebe tatsächlich auf diesen 12 Quadratmetern. Und das, was meinen Alltag wohl am Meisten vom typischen Urlaub unterscheidet, ist die Arbeit. Zwischen 4 und 8 Stunden arbeite ich normalerweise jeden Tag. Nur sieht mein Alltag hier einfach jeden Tag etwas anders aus. Und mein Blick aus dem „Büro“ eben auch. ;) Aber dazu später mehr.

Im besten Fall sieht mein Ausblick manchmal so aus …

… oder ich spaziere ein bisschen in der Mittagspause über die Klippen.

 

Leben im Wohnmobil – wie läuft das, wenn der Wohnort plötzlich das Wohnmobil ist?

Es fühlt sich immer noch komisch an zu sagen „Ich lebe im Wohnmobil“. Ich hatte allerdings schon wahnsinnig lange diese wild-romantische Vorstellung einfach mal frei durch die Weltgeschichte fahren zu können und da anzuhalten, wo es mir gefällt. Die ganze Camping-Sache wurde mir schon von meinen Eltern „in die Wiege“ gelegt und ich fahre gerne Auto – na also perfekte Voraussetzungen für ein Leben im Wohnmobil.  Doch einfach einen Camper kaufen und los? Naja, ganz so einfach ist es dann auch nicht. 

Abmelden aus Deutschland – ja oder nein?

In Deutschland herrscht nämlich allgemeine Meldepflicht. Wer umzieht, ist verpflichtet, seinen neuen Wohnort der Meldebehörde vor Ort mitzuteilen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich komplett aus Deutschland abzumelden. Dafür und dagegen gibt es etliche Argumente, einige davon findet ihr in diesem Beitrag vom Blog Wireless Life. Da ich immer mal wieder in Deutschland bin und auch fest angestellt bei einem deutschen Arbeitgeber arbeite, habe ich mich dafür entschieden, mich in Deutschland nicht abzumelden und meinen normalen Wohnsitz in Deutschland zu behalten.

Um mir den Traum vom dauerhaften Reisen ermöglichen zu können, war ich jedoch gezwungen meine Wohnung in Berlin zu kündigen. Ich hätte gerne erstmal einen „Versuch“ gestartet und das Leben im Wohnmobil ein paar Monate, vielleicht ein Jahr, getestet. Einfach um zu sehen, ob ich das auch wirklich auf Dauer durchhalte. Leider hat uns unser Vermieter da einen Strich durch die Rechnung gemacht: Zwischenvermietung strengstens verboten. Da wir keine Lust hatten, das illegal durchzuziehen und dann plötzlich aus heiterem Himmel die fristlose Kündigung zu bekommen, während wir 3 000 km entfernt sind, fiel diese Möglichkeit also leider weg. Die Wohnung in Berlin zu behalten und leer stehen zu lassen war aus finanzieller Sicht keine Option.

Also sind wir ins kalte Wasser gesprungen, haben all’ unser Hab und Gut verkauft. Nach 2 Monaten ausmisten und verkaufen unserer Möbel bei eBay Kleinanzeigen und in diversen Facebook-Gruppen, reduziert sich unser gesamter Besitz von 2 Personen und einem Hund tatsächlich auf 5 Umzugskartons mit Erinnerungsstücken und Aktenordnern, die nun unterstehen.

Man kann also zusammenfassen, dass ich weiterhin in Deutschland gemeldet bin. Freundlicherweise wird von meiner Familie die Post angenommen und wichtige Briefe eingescannt. Da bei mir jedoch so gut wie alles digital und per E-Mail abläuft, ist das im Normalfall nicht viel.

Arbeiten unterwegs – ortsunabhängig und komplett digital im Van arbeiten

Wenn ich manchen Leuten erkläre, dass ich unbegrenzt reisen kann, klingt das für viele Leute wie ein Traum. Das ist es auch, aber natürlich ist das auch an gewisse Bedingungen gebunden. Auch ich muss für meinen Leben im Wohnmobil arbeiten und sehen, dass Geld reinkommt. Über die Jahre habe ich es geschafft, mein Arbeitsleben komplett digital aufzubauen und somit ortsunabhängig arbeiten zu können. Es ist also somit „egal“, ob ich in Berlin im Home Office, in Timbuktu oder eben im Wohnmobil in Portugal (oder irgendwo anders) sitze.

Mein Einkommen beziehe ich aus unterschiedlichen Zweigen. Das wirkt auf die meisten zuerst chaotisch. Für mich ist es eine deutlich sicherere Angelegenheit, als wenn ich Vollzeit für ein Unternehmen arbeite. Denn bei einem Festjob ist nämlich auch nichts sicher, man kann auch da jederzeit gekündigt werden. 

Mein Einkommen beziehe ich also aus folgenden Tätigkeiten:

1. Festanstellung in Teilzeit als Grafikdesignerin/Layouterin

Wie schon erwähnt, habe ich noch immer einen Festjob. Ich bin bei einem deutschen Arbeitgeber (in Teilzeit) angestellt als Grafikerin und layoute Magazine.

Das geht nun schon seit über 2 Jahren so, bisher allerdings vom Home-Office in Berlin aus. Im Normalfall arbeite ich ca. 20 Stunden/Woche für meinen Arbeitgeber, mal sind es auch 40 (+) Stunden, die Woche darauf baue ich die Stunden dann wieder ab. Die Arbeit gibt mir allerdings die Möglichkeit meine Kranken- und Sozialversicherung bereits abgedeckt zu haben, ich muss mich also als (nebenberuflich) Selbstständige nicht noch zusätzlich versichern, was ein riesiger Vorteil ist.  Außerdem weiß ich so, dass definitiv regelmäßig Geld reinkommt und das macht mir den Kopf frei, um kreativ arbeiten zu können.

2. Einkünfte aus meiner Selbstständigkeit als Grafikerin/Layouterin

Seit vielen Jahren, sogar bereits während meines Studiums, habe ich als selbstständige Grafikerin gearbeitet und tolle Projekte realisiert, u. a. für so tolle Kunden wie DESIGN REISEN oder PaulCamper. Das Schöne an der Selbstständigkeit ist, dass man sich seine Kunden aussuchen kann und man für diejenigen Arbeitet, mit denen man sich identifizieren kann und die Arbeit Spaß macht. 

3. Einkünfte aus dem Blog

Einige wenige, sehr unregelmäßige Einkünfte beziehe ich auch aus dem Blog, zum Beispiel durch Partnerschaften mit Unternehmen, die ich natürlich auch als Werbung kennzeichne. Im Großen und Ganzen hält sich das sehr in Grenzen und deckt in etwa die Ausgaben, die ich mit dem Reiseblog habe (Domain- und Hostingkosten, Kosten für bestimmte Programme oder Marketingtools),

4. Einkünfte aus meiner Arbeit am Reiseführer-Projekt QUER DURCH PERU

Gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin und mittlerweile guten Freundin Nora betreibe ich eine weitere Website, über die wir unseren individuellen Reiseführer QUER DURCH PERU verkaufen. Unsere Erfahrungen aus vielen Jahren Leben und Reisen durch Peru haben wir auf über 400 Seiten zusammen geschrieben. Den Reiseführer gibt es als E-Book und Taschenbuch zu kaufen und auch an der Website arbeiten wir konstant und regelmäßig. Dort findest du ebenfalls einen Blog mit vielen kostenlosen Infos und Artikeln über Peru (sowie einen wöchentlichen Newsletter mit kostenlosen Peru-Infos).

Diese ganzen unterschiedlichen Einnahmequellen klingen erstmal viel und unübersichtlich. Das ist es aber eigentlich nicht, denn all’ das hat sich über die Jahre so entwickelt und nach und nach aufgebaut. Und somit habe ich ein solides Einkommen und kann die Projekte weiterentwickeln, auf die ich wirklich Lust habe.

Versicherungen für mein Leben im Wohnmobil

Natürlich gibt es auch eine Hand voll Versicherungen, u. a. habe ich für meine Reise also folgende Versicherungen abgeschlossen:

  • Private Haftpflichtversicherung: Ich habe meine normale Privat-Haftpflichtversicherung bei der Hanse Merkur* abgeschlossen. Seit 2013 bin ich dort bereits Mitglied und sehr zufrieden.
  • Hunde-Haftpflichtversicherung: Auch der Hund ist über die Hundehaftpflicht-Versicherung der Hanse Merkur* versichert. Auch hier funktioniert alles reibungslos.
  • Langzeit-Auslandskrankenversicherung: Hier habe ich mich aufgrund positiver Berichte anderer Reisender und eigener Erfahrungen aus Peru-Reisen in 2011 wieder für die Hanse Merkur entschieden. Diese bietet eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung gilt für einen Auslandsaufenthalt von maximal 5 Jahren*. Da ich mir nicht sicher bin, wie lange ich wirklich unterwegs sein werde, habe ich also die Versicherung direkt für 5 Jahre abgeschlossen (ich habe mich für den Basic-Vertrag entschieden).
  • KFZ-Versicherung für unser mobiles Zuhause: Unser Wohnmobil ist über die Reise-Mobil-Versicherung (RMV) versichert. Durch unser GFK-Dach haben wir hier nochmal einen Rabatt von 20%  bekommen und wurden sogar direkt in die SF-Klasse 8 eingestuft, was wir sicherlich bei keiner anderen Versicherung so geschafft hätten. Den Tipp habe ich übrigens in einer Wohnmobil-Gruppe auf Facebook bekommen. Es bringt also immer etwas, sich auch mit anderen Reisenden auszutauschen. 
  • Inhaltsversicherung für das Wohnmobil: Wenn man digital arbeitet, dann kommt natürlich einiges an elektronischen Geräten zusammen, die man immer so mit dabei hat: Laptop, Kamera und Smartphone sind nur einige davon. Um im Falle eines Diebstahls bzw. Einbruchs geschützt zu sein, habe ich mich für eine Inhaltsversicherung der RMV entschieden, die man gemeinsam mit der KFZ Versicherung abschließen konnte.

So zahle ich meine Steuern

Dadurch, dass ich in Deutschland gemeldet bin, zahle ich natürlich ganz brav auch weiterhin meine Steuern in Deutschland, ebenso alle Sozialversicherungsbeiträge.

Das Thema Steuern kann echt nervenaufreibend sein und ich bin absolut kein Profi was das angeht. Daher habe ich mir nach jahrelangem Kampf nun endlich mal einen Steuerberater organisiert. 

Für meine tägliche Buchhaltung meiner selbstständigen Arbeit nutze ich übrigens Lexoffice, ein komplett browsergestütztes Programm. Von Angeboten über Ausgaben und Rechnungen, hier wird alles genau protokolliert und ist sogar mit meinem Geschäftskonto verknüpft. Über Lexoffice kann ich auch ganz einfach meine Umsatzsteuer-Voranmeldung machen.  

Geld abheben im Ausland mit VISA und EC-Karte

Bei einer Langzeitreise ist es natürlich wichtig, immer irgendwo an Geld kommen zu können und dabei möglichst keine Gebühren zu zahlen. Ich benutze diese Kombination seit einigen Wochen und bin damit eigentlich sehr zufrieden:

  • VISA-Karte der DKB zum Bargeld abheben: Dank der VISA-Karte der DKB* kann ich weltweit im Ausland kostenlos Bargeld abheben, und zwar so viel, wie ich will (bzw. so viel wie mein Konto hergibt ;)). Im Ausland sollte man sowieso immer eine Kreditkarte dabei haben und bei der DKB sind Kontoführung, Geld abheben und Bezahlen im europäischen Wirtschaftsraum kostenlos – perfekt also für jemanden, der viel im Ausland unterwegs ist. Ich benutze die VISA-Karte der DKB* schon seit 8 Jahren und bin immer sehr zufrieden gewesen. Achtung: Seit 2017 haben sich die Konditionen der VISA-Karte geändert und die Abhebungen im Ausland sind nicht immer automatisch komplett kostenfrei. Für sogenannte Aktivkunden (mit einem Geldeingang von mind. 700 €/Monat) bleibt jedoch alles beim alten. Ich zahle mit der VISA-Karte meistens dort, wo die normale EC-Karte nicht akzeptiert wird (bzw. dort, wo nur VISA akzeptiert ist). Außerdem haben wir in Portugal bei der Einreise unser Kennzeichen mit der Kreditkarte verknüpft, sodass Mautgebühren automatisch von der Kreditkarte eingezogen werden. 
  • EC-Karte der Postbank zum Bezahlen mit Karte: Mein normales Konto läuft über die Postbank. Mit der EC-Karte bezahle ich meistens Einkäufe im Supermarkt und manchmal an der Tankstelle.

 

Ich freue mich über eure weiteren Fragen zu unserem Leben „on the road“ in den Kommentaren.


Hola, ich bin Anne und reise im Wohnmobil durch Europa. Ich liebe es, dass sich die Aussicht von meinem fahrenden Zuhause jeden Tag ändert. Mein größter Traum wäre, mit dem Camper einmal durch Lateinamerika zu fahren: Von Mexiko bis nach Feuerland.

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  1. Carola Cowden

    22 Januar

    Hallo Anne,
    Ich bin mal gute 30 Jahre aelter als du, aber deine Berichte interessieren mich. Ich bin selbst ein begeisterter „Schreiberling“, habe viele Geschichten aus meinem Leben und aus vielen bereisten Ländern zu erzählen. Leider bin ich mit dem Computer, Laptop usw……nicht mehr up to date und definitiv ohne Hilfe von aussen nicht in der Lage einen Blog zu errichten! Ich könnte ja etwas schreiben, aber ich komme nicht mit den Anforderungen und Passwörtern usw. bei Press Blog zurecht. Kannst du mir helfen, magst du mir helfen? Schau auf meine Seiten auf FB: Cafe Carola Samara, oder Carola Cowden, du wirst sehen, dass ich nicht eine „Aufschneiderin“ bin, sondern nur eine Person, die etwas digitale Hilfe braucht.

  2. Ein sehr interessanter Post. Rein Job-technisch könnte ich auch überall mit stabiler Internetverbindung arbeiten, aber die Schulpflicht der Kinder hat uns die nächsten 16 Jahre fest im Griff (und dauerhaft mit Kindern auf 12qm schließt ruhiges arbeiten auch aus).

    • Anne

      25 Februar

      Hallo Sebastian,
      freut mich, dass dir der Beitrag gefällt.
      Ja das mit der Schulpflicht ist natürlich wirklich nochmal eine ganz andere Sache.
      Aber euch bleiben wenigstens die Ferien :)

      Liebe Grüße aus Marokko

  3. AlbCamper Bernd Griesinger

    11 März

    Respekt für euren Mut und die Courage euch Euren Traum zu erfüllen. Ich denke das viele Menschen von einem solchen Leben in „völliger“ Freiheit träumen. Nur bei den meisten bleibt es ein Traum da die meisten einfach nicht den Mut haben wie Ihr ins kalte Wasser zu springen. Hut ab! Ich freue mich auf viele weitere Berichte und Fotos von eurer Reise :-)

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