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Warum James Bond Island überbewertet wird

Warum James Bond Island überbewertet wird

James Bond Island ist wohl eines der beliebtesten Fotomotive der thailändischen Andamanensee.

Auch wenn organisierte Touren eigentlich nicht unbedingt so mein Ding sind, wollte ich unbedingt gerne hinfahren. Dabei ging es mir eigentlich viel mehr um die gesamte Landschaft der Pha Nga-Bucht, und weniger um den James Bond-Felsen. Ich habe den Film noch nicht mal gesehen.

James Bond Island -Tour von Krabi aus

Von Krabi erschien es uns wunderbar einfach eine (Kanu-)Tour mit Transfer und Co zu buchen, die uns dann direkt bis in die Bucht bringt, bezahlt haben wir um die 60 €/Person. Morgens ging es mit der Abholung vom Hotel los. Ziemlich komfortabel im Kleinbus mit Air Condition klapperten wir alle Hotels ab, bis der Bus schließlich voll war, der Guide sich als Rudy und der Fahrer als Ed vorgestellt hatten und wir auf dem Weg nach Phang Nga waren. Während der Fahrt erklärt Rudy uns, wie der Tag geplant ist und was uns so alles erwartet. „Jeden Tag kommen mehrere Tausend Besucher um die James-Bond-Island zu besuchen“, Oh ha, na das kann ja was werden.

Als wir ankommen, werden wir in das bis dato größte Longtailboot verfrachtet, in dem ich bis jetzt gefahren bin. Mit uns im Boot haufenweise Touristen aus aller Welt. Doch bei einem Pärchen rieche ich das noch bevor ich sie überhaupt sprechen höre, dass die beiden Deutsche sind. Beide Anfang 60, grummelig und in ihren beigen Safari-Klamotten, der Mann die Spiegelreflex um den Hals baumelnd, die Frau die Sonnencreme dick weiß im Gesicht verteilt, setzen sich zu zweit auf eine der Longtail-Bänke, die eigentlich für drei oder vier Personen bestimmt sind. Als sich ein weiterer Touri aus Saudi Arabien zu den beiden setzt, denken sie nicht mal im Traum daran ein wenig aufzurücken. Ich sitze 5 Bänke weiter hinten und beobachte das Spektakel. Die beiden keifen sich so laut an, dass ich jedes einzelne Wort bis nach hinten verstehe, während es alle anderen 30 Leute im Boot schaffen sich auch in normaler Lautstärke zu unterhalten.

Wir fahren auf direktem Wege zur James-Bond-Island, vorbei am traditionellen, muslimischen “most famous fishermen’s village” Koh Pan-Yee, einem Dorf auf Stelzen. Hier werden wir später zu Mittag essen, erklärt uns unser Guide. „Jetzt ist es hier noch leer, aber später wird hier alles voller Boote sein“. Irgendwie betont Rudy das extrem oft.

James Bond Island James Bond Island James Bond Island

Die Bucht von Phang Nga und James Bond Island

Die Bucht von Phang Nga ist wirklich unheimlich schön, überall ragen grüne Hügel aus dem Wasser. Wir fahren durch die Landschaft, als wir plötzlich langsamer werden und vor einer der Inseln anhalten. „This is famous James Bond Island!“ ruft Rudy begeistert. Alle zücken wie auf Knopfdruck die Kameras und schießen Bilder von dem Felsen, der eigentlich aussieht wie jeder andere in der Bucht. Innerlich sträube ich mich fast ein bisschen jetzt davon ein Bild zu machen. Jut, denke ich mir. Bist ja vermutlich nur einmal in deinem Leben hier. Knips.

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Auf der Insel stelle ich fest, wie wahnsinnig klein es hier ist und wie verdammt viele Touris hier rumlaufen. Wir haben eine halbe Stunde Zeit und streunern eine Runde durch die Gegend, machen hier und da ein paar Fotos. Ins Wasser kann man zum einen nicht, weil es einfach voller Boote ist. Zum anderen sollte man das auch nicht, weil es extrem dreckig und voller Quallen ist.

„Mensch Inge, du musst doch nur auf den Auslöser drücken“ brummt es plötzlich frustriert neben mir. „WARUM MUSSTEST DU DIR AUCH NUR SO EINE RIESIGE KOMPLIZIERTE KAMERA KAUFEN? ICH SEH JA GAR NIX, WO MUSS ICH DENN HEIR DURCHGUCKEN?…. MANN, SO EINE SCHEIßE, WO MUSS ICH DENN HIER DRAUF DRÜCKEN?“ keift es lautstark zurück. Die Deutschen wieder. Ich kann ihnen einfach nicht entkommen.

Auf dem Rückweg fahren wir zu einem Anleger, wo unsere Gruppe in Kanufahrer und Nicht-Kanufahrer unterteilt wird. Das hatte ich mir ja als Höhepunkt der Tour gedacht. Aber vielleicht bin ich manchmal auch einfach ein bisschen zu naiv. Statt selbst zu paddeln werden wir im Fließbandverfahren zu einem Kanufahrer ins Boot gesetzt, der uns ca. 30 Minuten durch die Gegend paddelt, durch die Höhlen durch und an Mangroven vorbei. Ja, doch, ist schon schön. Aber ich hab’s einfach nicht so mit dieser Rumkutschier-Nummer.

SAMSUNG CSC SAMSUNG CSC  SAMSUNG CSC SAMSUNG CSCZiemlich cool: Die Walking Fish am Uferrand.

Ziemlich cool: Die Walking Fish am Uferrand.

Traditional Muslim Village und Monkey Cave

Danach geht’s per Longtailboot weiter zum „traditional muslim village“, wo wir erstmal ein üppiges Mittagessen bekommen (sogar für Vegetarier!). Auch hier haben wir wieder 30 Minuten nach dem Essen Zeit, um uns das Village anzusehen. Und auch hier wird sofort klar, dass es darum geht, dass wir in 30 Minuten so viel Touri-Zeug kaufen sollen, wie wir tragen können. Wir setzen uns stattdessen lieber ein bisschen an den Steg und genießen die Aussicht auf die Bucht.

Nach der Tour mit dem Boot geht es weiter per Bus zum Wat Suwankuha, dem Monkey Cave mit einem riesigen, liegenden, goldenen Buddha. Wie der Name vermuten lässt gibt es hier auch eine ganze Menge Affen. Sehr zum Leid der Deutschen, die sich lieber schonmal im AC-Bus verkriechen. Hier endet unsere Tour offiziell und wir fahren weitere anderthalb Stunden zurück nach Krabi.

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james

Fazit

Ganz ehrlich, dieser James-Bond-Felsen wird meiner Meinung nach absolut überbewertet. Das nächste Mal würde ich lieber auf eigene Faust in die Bucht von Phang Nga fahren, mir dort ein Kanu leihen und auf eigene Faust ein wenig in der Bucht rumpaddeln.

Tobi und Marcel von Home is where your Bag is haben offenbar die gleiche Tour gemacht wie ich. Ihren Bericht dazu findest du hier.

Kennst du den James-Bond-Felsen? Ist mein Bericht gerechtfertigt oder bin ich da zu negativ?

Und hier noch ein allgemeiner Lese-Tipp:

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Hola, ich bin Anne und liebe das unterwegs-und-draußen sein. In diesem Sommer tauschen wir unsere Wohnung gegen einen Van und reisen quer durch Europa. Vamos!

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  1. Florian

    26. Mai 2015

    Location Location Location. Die Tour wird überall in Phuket verkauft und wohl auch in Krabi. Ich denke wenn die Bucht nicht so gut von 2 beliebten Ferienzielen erreichbar wäre,, würde da keiner hinfahren.

    Ich war noch nie in der Ecke, aber habe viel Gutes von Ko Yao Noi gehört, u.a. vom Sebastian@Phuketastic. Dort gab es auch einmal das coolste Kino, das ich je gesehen habe:
    http://www.fastcodesign.com/1669367/why-drive-up-to-a-theater-when-you-can-float-up-to-it

    • Anne

      26. Mai 2015

      Ha! Wie super cool ist denn mal dieses Kino?!
      Hätte ich das mal vorher gewusst ;-) Tja, typischer Thailand-Anfängerfehler vermutlich.

      Danke für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße

  2. Myriam

    27. Mai 2015

    Ich kenne den James Bond Felsen nicht und so schön es auf den Fotos auch aussieht, so touristisch wird es wohl sein. Aber ich finde gerade diese ehrlichen Reiseberichte, wo man einfach auch mal schreibt, wenn etwas nicht schön war, am wertvollsten.

    Aber eigentlich ist es mit überhypten Orten und Städten immer das Gleiche … alle sagen, dass man es gesehen haben muss und man Ende fragt man sich wofür und ob das alles gewesen war …

    LG Myriam

  3. Stephie

    27. Mai 2015

    Liebe Anne, puuhh, wenn ich mir deinen Bericht durchlese, bin ich sehr froh, dass wir bei unserer Thailand-Reise auf die geführten Touren zum James Bond Felsen und nach Ko Phi Phi verzichtet haben. Ich bin auch gar kein Fan dieser Massenaufläufe und entdecke lieber Strände und Plätze, die evtl. zwar nicht einer typischen Traumkulisse entsprechen, aber die man dafür auch nicht mit so vielen anderen Touristen teilen muss ;-)

    Liebe Grüße
    Stephie

  4. Ich habe damals eine Tour von Phuket nach Phi Phi gestartet und war auch erschrocken, wie sehr die Insel und vor allem „der Strand“ überlagert mit Touris ist. Danach hatte ich auch keine Lust mehr zu den James Bond Islands.

    Viele Grüße
    Mathias

  5. Tobi

    28. Mai 2015

    Hi Anne,

    erstmal vielen Dank für die Verlinkung. Habe dein Artikel sehr interessiert gelesen und musst sehr über das deutsche Ehepaar lachen :D So welchen Menschen begegnet man sehr oft in Thailand und das kommt immer rüber, als ob die keinen Spaß im Urlaub hätten, anstatt mal zu genießen wo sie sind.

    Das die Tour nicht ganz der Knaller war und der Felsen überbewertet ist, kann ich nur bestätigen. Ich würde die Phang Nga Bay beim nächsten Mal auch lieber auf eigene Faust besuchen.

    Liebe Grüße
    Tobi

  6. Genau deshalb war ich dort nie. Obwohl ich bestimmt 2 Wochen oder länger in Krabi war.

    Geführte Touren haben mich bis jetzt immer zu 80% enttäuscht. Damit will ich das jetzt nicht schlecht reden nur für mich persönlich waren sie halt nie was.

    Viele Grüße

    Matthias

  7. Janine

    30. Mai 2015

    Wie? Noch nicht mal selbst Kanufahren kann man da? Ohje. Verstehe deine Gefühle. Naja. Aber bei 60 Euro pro Person sollte dieser Service ja wohl auch inbegriffen sein. ;)

  8. Simone

    15. Juli 2015

    Ich war auch schon dort und fand es schrecklich. Aber so ist das leider bei den bekannten, beliebten Ausflugszielen. Für uns heisst das also: Lieber meiden und Geld sparen für das kleine Kanu .. ;)

  9. Stefan

    2. November 2015

    Finde es nicht in ordnung wie unreflektiert du einfach über Menschen sprichst, die du nicht mal kennst. Man kann auch sehr gut im Rollkoffer durch Asien reisen und sich über Massentourismus zu beschweren, der ja alles kaputt macht ergibt doch keinen Sinn wenn man selber zu dieser Sorte gehört. Denn wer mitlerweile mit dem „coolen“ Backpack drei Monate zwischen Abi und Studienbeginn totschlägt sind hier mitlerweile die Masse!
    Du hörst dich an wie eine Schwäbin im Prenzelberg, die sich fragt, was aus dem Berlinfeeling geworden ist – in dem Stadtteil leben ja gar keine Berliner mehr!
    Tourismus schafft sich nun mal selber ab.

    • Anne

      2. November 2015

      Lieber Stefan,
      also erstmal sage ich mal ganz diplomatisch: Danke für deinen Kommentar. Ich musste den Artikel grade noch mal selbst lesen, um deinen Kommentar richtig zu verstehen. Die Prenzel-Schwaben und Rollkoffer hatten mich jetzt doch kurz etwas irritiert.
      Nur um dich richtig zu verstehen: Über welche Menschen spreche ich genau unreflektiert? Meinst du das deutsche Pärchen im besten Alter, die vor Lebensfreude nur so sprühen? Nein, die kenne ich nicht gut. Aber dennoch so gut um zu wissen, dass das schon zu viel ist.
      Was den Massentourismus angeht: Volle Zustimmung. Ich kannte so eine Art von Tourismus persönlich noch nicht. Wir wollten von Krabi einen Ausflug in diese Bucht machen und da gab es eben die Möglichkeit dieser „Kanutour“, die wir relativ naiv gebucht haben.
      Und ja, die „coolen Backpacker“ wie du schon schreibst sind ganz oft Studis, die sich in den Semesterferien mal eben billig mit psychedelischen „Mushroom-Shakes“ am Strand zuballern wollen, bevor sie dann wieder in ihr spießiges Jura-Studium zurück müssen. Jeder wie er meint, kann man aber auch kritisieren, wie ich finde.
      Was die Prenzelschwäbin angeht: Ich hab gehört, der Wedding kommt! :P Vielleicht schau ich mich da dann mal um.

  10. Anna

    21. Dezember 2016

    Schönen guten Tag zusammen, mein Mann und ich, beide Mitte 50 , befinden uns zur Zeit auf Phuket. Wir werden diesen Ausflug mit dem hier unscheinbaren und über laufenden James Bond Felsen die nächsten Tage erleben. Wir haben auch eine wahnsinns tolle Kamera dabei, mit der wir aber mit Sicherheit sehr gut umgehen können. Wir sind beide schlank und sportlich und brauchen mit Sicherheit nicht Platz für 5 Personen. Wir werden zig Eindrücke in uns aufnehmen, egal ob viele Touristen dort sind oder wenige. Wir sind auch schon viel gereist und wissen sehr wohl, dass viele Punkte auf der Erde richtig überlaufen sein können, oder auch mal das Glück hat, fast die einzigen Touristen vor Ort zu sein. Wir werden uns aber mit Sicherheit nicht so stark auf andere Leute konzentrieren, egal ob positiv oder negativ, sondern in uns ruhen – und die Natur und Thailand einfach geniessen bis Mitte Januar 17. Auch werden wir mit Sicherheit ein kleines Souvenir vor Ort kaufen. In dem Sinne alles Gute und schöne Urlaube!
    Anna u. Ernst

  11. Julia

    13. Januar 2017

    Liebe Anne,

    danke für deinen Bericht! Im Gegensatz zu vielen anderen Geschreibseln über das Thema, die ich zuvor gelesen hatte, war er für mich sehr erhellend. Über die Parts mit dem deutschen Pärchen kann man sich streiten. Allerdings hat sich wohl jeder im Urlaub schon einmal eine Meinung über andere Mitreisende gebildet -ganz gleich, ob belächelt oder über sie geärgert (Ich bin jetzt seit 7Monaten unterwegs und erwische mich ziemlich regelmäßig dabei ;) ) und da dies hier deine Erlebnisschilderung ist und kein sachlicher Bericht, verstehe ich die Aufregung darüber nicht so ganz… Muss ich aber auch nicht ;)

    Stattdessen eine kurze Frage: Wir sind gerade vor Ort (in Phang Nga) und möchten die Tour gern alleine im Kayak bestreiten, d.H. in der Bucht und in den Mangroven herumrudern und gern z.B. die Tham Lod Cave ansteuern. Ist das machbar oder braucht man dazu unbedingt jemanden, der ortskundig ist?

    • Anne

      13. Januar 2017

      Hey Julia, leider kann ich dir die Frage nicht beantworten. Eigentlich hatte ich so etwas auch vor, bin aber in den wenigen Tagen vor Ort irgendwie nicht fündig geworden. Viel Erfolg!

      • Julia

        14. Januar 2017

        Trotzdem, danke. Wir sind es heute auf eigene Faust angegangen. Fazit: Nach allerlei Herumfragen an den Piers und im Visitor Center kam heraus: Ein Kayak mieten und alleine losschippern geht nicht. Allerdings kann man am Ngop-Ko Tapu Pier ein Longtailboat+Fahrer anheuern für 1500B. Der macht dann entweder die „Standarttour“ oder eine individuell zusammen gestellte. Wir haben letzteres gemacht und uns die „Hotspots“ wie James Bond und Tham Lod nur vom Boat aus angeschaut und sind dann z.B. zu einer äquavalenten Höhle gefahren ohne 80 Chinesen, sondern ganz alleine und anderen coolen Spots. Dort haben wir u.a. wilde Affen und Varane gesehen.

        Vll hilft das anderen „Suchenden“ ;) Es war wirklich großartig und vergleichsweise super günstig. Wir waren ca. 2,5h unterwegs. Hätte aber auch länger dauern können.

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