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Pech auf Reisen – und warum ein Vulkanausbruch nicht das Ende der Welt ist

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Pech auf Reisen – und warum ein Vulkanausbruch nicht das Ende der Welt ist

Du sitzt im Flugzeug. Deine erste große Reise alleine. Der Flug geht von Frankfurt über Sao Paulo nach Lima. Du hast dieses Gefühl zwischen „Geil endlich gehts los!“ und „Fuck, jetzt gehts tatsächlich los…“. Die Reise soll der Hammer werden, aber irgendwie bleibt immer dieses ungute Gefühl… und was wenn was schief geht? Du checkst dein Handgepäck. Alles da. Du checkst deine Unterlagen. Reisepass, da. Anschlussticket, da. Das Gepäck wird ja automatisch weitergeleitet. Muss ja auch, bei nur 1,5 Stunden Umstiegszeit. Nur so aus Neugier checkst du den Gepäckschnippsel und stellst fest: Fuck, ich fliege nach Lima, mein Gepäck aber nur bis Sao Paulo. 

Die Airline hat’s versaut, dein Gepäck wird nicht automatisch weitergeleitet.

Vorher kamen die Warnungen von ein paar Freunden „Boah, Sao Paulo hat so einen krass großen und unübersichtlichen Flughafen“. Ja Geil. Danke Schicksal. Also habe ich nun tatsächlich 1,5 Stunden Zeit auszuchecken, mein Gepäck abzuholen, neu einzuchecken und meinen Flug nicht zu verpassen. Fängt ja gut an der Trip. Denkst du dir in dem Moment, ohne zu wissen, dass alles noch viel schlimmer kommen wird.

In Sao Paulo legst du nach 12 Stunden Flug einen eleganten Sprint hin, rennst vom Gepäckband raus und wieder rein zum Check-In und siehst die Endlos-Schlange vor dir. Alle vor dir checken ein, schließlich stehst du vorne und denkst dir nur „Ha! Haste gedacht! So schnell kriegt ihr mich nicht klein! Ich hab’s geschafft!“, da schaut dich die Check-In-Dame mitleidig an und sagt dir:

„Sorry, Miss. The flight is overbooked.“

Overbooked, einfach so. Systemfehler. Kann ja mal passieren, oder wie? Und jetzt? Wenn du jetzt denkst, das ist das Ende der Welt: Ist es nicht.

All das ist mir bei meiner ersten weiten Reise alleine passiert. Die Airline bot mir einen Voucher an für eine Nacht in einem Hotel in Sao Paulo. Klar, hätte ich annehmen können. Aber ich hatte meinen Bus für den nächsten Tag von Lima nach Trujillo schon gebucht. Ich musste nach Lima. Heute noch. Ich konnte in dem Moment brüchiges Spanisch und hatte 0- Portugiesisch-Kenntnisse. Neben mir in der Schlange standen 2 Brasilianerinnen, die das selbe Problem wie ich hatten und unbedingt noch heute nach Lima wollten. Wild gestikulierend und mit viel Drama haben die beiden schließlich erreicht, dass die Airline ihnen einen Flug nach Chile mit Anschlussflug nach Peru klar macht. Frag’ mich nicht wie, aber irgendwie habe ich verstanden worum’s ging und versuchte ebenfalls wild fuchtelnd und mit ein bisschen Drama (Monkey sees, Monkey does) das gleiche zu erreichen. Und es hat funktioniert.

Am gleichen Tag flog ich also ungeplant noch nach Chile und später nach Peru.

Vielleicht war das so ein bisschen meine Feuertaufe. Aber ganz ehrlich, es war irgendwie gar nicht so stressig, wie sich das jetzt anhört. Es war sogar irgendwie ein bisschen lustig. Und vor allem habe ich direkt zu Anfang meiner Reise was super wichtiges gelernt: Es gibt eigentlich kaum eine Situation, die du nicht gelöst bekommst. 

Egal welches Problem, alles löst sich. Irgendwie. 

Schlimme Dinge können passieren. Immer. Überall. Das will ich gar nicht klein reden. Aus einem Unfall oder einem Überfall gibt’s wenig positives rauszuholen. 

Aber ich rede jetzt mehr von Problemen, die nicht dein Leben bedrohen.  Die dir in dem Moment aber trotzdem furchtbar erscheinen.  

In meiner noch recht kurzen „Reise-Karriere“ sind mir ein paar Dinge passiert, die dir auch passieren könnten:

1. Ein Vulkan bricht aus und der weltweite Flugverkehr bricht zusammen.

© David Karnå

© David Karnå

 

Ausser über Island, dem Epizentrum der ganzen Geschichte. Als 2010 der Vulkan mit dem wunderschönen Namen Eyjafjallajökull ausbricht, bin ich grade auf einem Roadtrip durch Florida. Wir sind an unserer letzten Station angekommen, da heißt es, der weltweite Flugverkehr ist zusammengebrochen, vermutlich fliegen die Airlines in frühestens einem Monat wieder. Was sich genauso unglaublich anhört wie es war hast du vielleicht auch zu spüren bekommen. Unser Trip verlängerte sich unfreiwillig um 2 Wochen (wie schade… noch mehr Urlaub, noch mehr Strand, noch mehr Entdecken… too bad). Allerdings haben das vermutlich nicht alle so locker gesehen wie ich.  Ich war damals mit meinem Eltern unterwegs und so gesehen finanziell auf der sicheren Seite. Da hatten es ein paar Backpacker mit ihren letzten Dollar in der Tasche sicherlich wesentlich schwerer. Das Beste was man in so einer Situation machen kann: So weit wie möglich weg aus Touristengebieten. Innerhalb von Minuten schossen die Preise für Hotels und Mietwagen in die Höhe. Wir haben damals noch einen guten Deal erwischt und sind einfach noch 2 weitere Wochen durch Florida getourt, möglichst weit weg von Miami, möglichst in die eher untouristischen Gegenden. Glück im Unglück. Und noch ‘ne geile Anschlussreise mit Orten, die ich sonst in meinem Leben nie gesehen hätte. 

2. Dein Flug hat Verspätung oder wird gestrichen.

Wohl erstmal relativ harmlos, wenn es sich um ein oder zwei Stündchen handelt. Scheiße, wenns 12 werden. Was tun? Ruhig bleiben. Du kannst es eh nicht ändern. Egal wie viel du dich in dem Moment verrückt machst, davon fliegt das Flugzeug nicht schneller. Anschlussflüge die nicht erreicht werden, werden in den meisten Fällen von der Airline neu organisiert (Vorraussetzung ist natürlich, dass die Flüge nicht unabhängig voneinander gebucht werden). Wenn jemand auf dich am Flughafen wartet, versuche die Person zu kontaktieren. Hab am besten dein Laptop dabei und lade dir Guthaben auf dein Skype-Konto. Das ist auf jeden Fall die günstigste Möglichkeit in dem Moment anzurufen und Bescheid zu sagen, dass du später kommst. Wlan gibts in vielen Flughäfen eh umsonst, wenn nicht, gibts irgendwo immer ein Starbucks oder McDonalds.

3. Dein Flug ist überbucht. 

© Al Jazeera English – Flickr

© Al Jazeera English – Flickr

Wie gesagt. Irgendwie ärgerlich, weil man sich einfach nur fragt wie blöd so eine Airline eigentlich sein kann. Aber gut, auch hier bringt aufregen ja eher weniger.  Bestehe auf irgendeine Entschädigung. Hotel für die Nacht oder Ähnliches. 

4. Deine Kreditkarte wird gesperrt.

Auch schon passiert. Gesperrt ist auf jeden Fall wesentlich angenehmer als geklaut. Meist genügt ein Anruf bei der Bank und die Karte wird wieder freigeschaltet. Ist meist ziemlich nervig da hinterher zu telefonieren, auch hier hilft mal wieder Skype-Guthaben.

5. Du bist gestrandet.

Gestrandet am Hafen von Yurimaguas und kein Schiff läuft aus.

Gestrandet am Hafen von Yurimaguas und kein Schiff läuft aus.

In meinem Fall war es in Yurimaguas im peruanischen Dschungel. Ich wollte ein Boot nehmen nach Iquitos, der größten Stadt die nicht auf dem Landweg erreichbar ist (weil im Herzen des Regenwaldes gelegen). 3 Tage sollte die Fahrt auf dem Frachter dauern. 3 Nächte schlafen in einer Hängematte auf Deck. Ziemlich geil, fand ich. Schade nur, wenn du jeden Morgen mit Sack und Pack im Mototaxi zum Hafen fährst und dir jeden Morgen gesagt wird „Nee, heute legen wir nicht ab, aber Morgen ganz sicher.“ Beim dritten Mal wird die Story langweilig, vor allem, wenn man in Yurimaguas erstmal nicht so wahnsinnig viel machen kann. Als wir schließlich einen der Schiffsjungs fragten, wie wir in dem Dorf überleben ohne vor Langeweile zu sterben, lud er uns ein, mit ihm den nächsten Tag zu einer Familien-Farm in den Dschungel zu wandern. Der Tag war der Hammer, die Familie hat uns ihr Land gezeigt und wir haben zusammen am offenen Feuer gekocht. Das Erlebnis hätten wir nie gehabt, wenn alles reibungslos funktioniert hätte. 

6. Du verlässt dich auf das Wort Fremder und es klappt (natürlich) nicht.

Klar ist es naiv, einfach zu glauben was einem Fremde sagen. Manchmal hat man aber keine andere Wahl. Ich bin mal in einem Durchfahrts-Kaff in Peru gelandet, wo immer nur am Morgen gegen 5 ein Bus durchfuhr, der dich zur nächsten Stadt mitnehmen konnte. „Da ist immer Platz frei, keine Sorge“. Tickets konnte man eh nicht kaufen. Also konnten wir jetzt erstmal nur vertrauen. Es war natürlich kein Platz und wir mussten im Gang der Busfahrer-Schlafkabinen schlafen. Man kann bequemer reisen, man kann aber auch gar nicht reisen. Ganz ehrlich, es gibt echt schlimmeres. 

Fazit: 

Ich muss eins zugeben: Ich hatte immer Glück. Was wirklich schlimmes ist mir noch nie passiert. Ich wurde nie ausgeraubt, überfallen oder entführt. Hatte keine Unfälle, habe nichts dergleichen sehen müssen und hatte auch keine lebensbedrohlichen Krankheiten. 

Mir ist klar, dass das passieren kann. Aber nicht muss. 

Für alles andere gibt es einfach immer einen Ausweg. Oftmals ergibt sich aus ungeplanten Komplikationen ein neues Abenteuer, und meist eine ziemlich gute Geschichte. Auf jeden Fall ergibt sich eine neue Erfahrung. Desto mehr du reist, desto mehr Erfahrungen machst du, desto weniger Komplikationen können dich noch schocken. Desto entspannter wirst du. Desto mehr willst du reisen. Und darum gehts doch letztendlich, oder?

Was ist dir schon auf Reisen passiert und wie bist du da wieder raus gekommen? Was hast du dadurch gelernt?

 

6 Comments

  • Christoph sagt:

    Noch ein letzter Beitrag für heute mit einer selbstverschuldeten Reisepanne in Bolivien.
    Da ich noch nicht so backpacking-erfahren war, hatte ich bereits Flüge vorgebucht, von Arequipa, Peru nach Sucre, Bolivien mit Zwischenlandung in La Paz El Alto. Bus mit ein paar kleinen Abstechern wär im Nachhinein sicher schlauer gewesen, aber man lernt ja nie aus ;)

    Wundertoller Flug nach La Paz, mit klaren Blick auf die Vulkane, Anden und den Titicaca-See. In La Paz wartete ich ich dann auf meinen Weiterflug. Da ich 4h Zeit hatte in irgendeinem Restaurant am Flughafen mit Wifi, nicht direkt am Gate. Als ich dort hin kam, war mein Weiterflug nach Sucre bereits weg. Inklusive meinem Gepäck ;)

    Die Lehre aus der Geschichte: vergesse niemals die Zeitverschiebung!!! (die in Bolivien eine Stunde weniger beträgt als in Peru…). Glück im Unglück hatte ich dann doch noch: mit dem Taxi zum Busbahnhof in La Paz kriegte ich gerade noch so einen Nachtbus nach Sucre. 12h schlaflose Stunden über holprige Straßen statt 40 Minuten Flug, aber eine sehr nette Bekanntschaft gemacht. Mein Gepäck konnte ich dann am nächsten Morgen auch noch wieder in die Arme schließen. Letztlich also eine coole Story, auch wenn mich alle damit aufziehen, die mit etwa 30€ Mehrkosten(Taxis und Bus) aber jetzt nicht so das Loch in mein Budget gesprengt hat!
    Ich wollt schon immer mal einen Flug verpassen – Bucket List abgehakt ;)

    • Anne sagt:

      Haha, super Geschichte!
      Ich habe tatsächlich noch nie selbstverschuldet einen Flug verpasst, bin gespannt wann mein erstes Mal sein wird.
      Aber deine Alternativlösung war dann ja noch ein echtes Abenteuer! So hast du wenigstens gespürt wie weit die Distanzen sind, vermutlich bei jedem Schlagloch! ;-)
      Liebe Grüße, Anne

  • Oli sagt:

    Apropos Überbuchung: Das passiert nicht wegen technischen Problem, oder weil die Airlines doof ist. Die machen das absichtlich. Wieso? Man weiss, dass pro Flug im Schnitt sagen wir mal 10 Laute den Flug vergessen, verpassen oder aus sonst einem Grund nicht wahrnehmen können. Das heisst, das Flugzeug würde im Schnitt mit zehn leeren Plätzen fliegen. Ist zwar nicht tragisch, weil die Leute ja bezahlt haben. Aber klug, wie die Airlines sind, verkaufen die nun einfach zehn Plätze mehr als sie Sitze haben. Wenn dann doch alle kommen, kann man ja den einen oder anderen noch in die Business Class Upgraden. Und wenns dort voll ist, muss man halt eine Entschädigung zahlen. Kommt aber immer noch günstiger, als mit leeren Sitzen zu fliegen.

  • Pasquale sagt:

    Ich hatte auf meiner ersten großen Reise gleich drei Ereignisse, zwei selbst- und eins unverschuldet.

    Nach 9,5 Stunden Flug komme ich mitten in der Nacht in Atlanta (Stopover 24 Stunden) am 4 Sterne Hilten Hotel an, in dem Glauben einige Wochen vorher ein Schnäppchen gemacht zu haben. Doch die Hotelplattform hat mist gebaut und ich stand da ohne Zimmer. Der Buchungscode war nicht von Hilton und ein Zimmer sollte um die 100 Dollar kosten, mir eindeutig zu viel. Da erinnere ich mich uaf der Hinfahrt mit dem Shuttle Bus das Motel 6 gesehen zu haben. Total fertig gehe ich die 2 km zum Motel 6 und nehme für 60 USD ein Zimmer.

    Dann in Buenos Aires. Spontan entschließe ich mich das verregnete Buenos Aires Richtung Iguazu zu verlassen. Kaufe ein Busticket mit der Rückfahrt am Montag, wie ich glaube. Da hielt ich Montag aber auch noch für martes. ;)
    Zufrieden sitze ich im Hostel mit dem Busticket und bemerke dass die Rückfahrt auf dem Datum genau auf meinem Abflug nach Santiago de Chile liegt. Also hetze ich mit der Metro und zu Fuß zurück zum Busbahnhof und kann das Ticket zum Glück kostenlos auf Montag, also lunes, umbuchen. Auch das Hotel in Pureto Iguazu war sehr kulant und hat mir die Nacht nicht berechnet.

    Der dümmste Schnitzer passierte mir in Santiago de Chile. Ich stehe an der Passkontrolle als die Zollbeamtin meine Touristenkarte sehen will. In dem Moment fällt mir schlagartig ein dass ich einen Tag vorher meine Tasche entrümpelt hatte und dieser Aktion fiel auch meine Touristenkarte zum Opfer. Von freudig entspannt (naja so entspannt wie einer mit Flugangst vor dem Abflug sein kann) verfalle ich in Panik, denke: Ach du Sch… was passiert jetzt, Polizei, Zoll, anderen Flug buchen, Strafe zahlen…. das alles ging mir in Sekunden durch den Kopf. Die Zollbeamtin fragt erneut nach der Karte und ich tue total ahnungslos und sage: „solo Pasaporte“, wühle in meiner Tasche, zucke mit dem Schultern und sage wieder“Pasaporte!?“. Die Frau rollt mit den Augen und stellt mir eine neue Touristenkarte mit dem Ausreisestempel aus Argentinien als Einreisedatum aus…. puh!!!

  • Robin sagt:

    Über deinen Kommentar mit dem Passaporte?! musste ich echt schmunzeln, Pasquale :)

    Mir ist eigentlich auch noch nie etwas wirklich ernsthaft schlimmes passiert. Auf dem Flug von Deutschland nach Rio mit Condor war auch eine Überbuchung im System, die Airline fragte nach Freiwilligen für einen Flug am Abend. Was gibts dafür, 600 Euro direkt aufs Konto und nen extra Tag in Frankfurt. Gibt definitiv Schlimmeres ;)

    Achja, in Sucre wurde ich von der Gastfamilie beklaut, die mit der Sprachschule kooperiert hat. Einen negativen Kommentar bei TripAdvisor hab ich mir allerdings verkniffen.

    Und dieses leidige Thema mit diesen Weiterflugtickets um überhaupt Einreisen zu dürfen. Singapur nach Manila. Frankfurt nach Brasilien. Ich bin es Leid und werde in Zukunft versuchen, das irgendwie zu umgehen.

    Lg

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