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Falling in love with Peru – wie aus 6 Monaten 2 Jahre wurden

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Falling in love with Peru –Wie aus 6 Monaten 2 Jahre werden können? Verdammt schnell!

Hätte mir jemand gesagt, was für einen Stein ich am 03. März 2011 ins Rollen bringen würde, ich hätte ihm kein Wort geglaubt. Oder: Ich hätte mich tot gelacht. Als ich damals ins Flugzeug Richtung Peru stieg, hätte ich nie damit gerechnet, dass das mein Leben um 180 ° verändern würde.

2011 hatte ich gerade meine Ausbildung zur Mediengestalterin abgeschlossen, ein purer Bürojob. Arbeitszeit von 9 bis 17 Uhr, manchmal Überstunden, normale deutsche Arbeitsnorm halt. Mir haben 2 1/2 Jahre gereicht um mit Sicherheit zu wissen, dass ein Arbeitstag mit Chef und Überstunden mich nicht glücklich machen. Der Plan: Erstmal studieren. Was? Keine Ahnung. Alles, nur nicht mit 19 Jahren anfangen zu arbeiten und nie wieder aufhören. Horrorvorstellung.

Mein Traum seit langer Zeit war nach Südamerika zu reisen. Ich war nie da gewesen, aber mich zog einfach alles an was ich damit in Verbindung brachte.Trotzdem habe ich mich nicht getraut einfach so zu sagen: „So ich reise jetzt alleine durch Südamerika!“
Aus mehreren Gründen:

  1. Südamerika schien mir unglaublich weit weg.
  2. Ich hatte Angst davor alleine zu reisen. Generell alleine zu sein.
  3. Ich war noch nie so lange von zu Hause weg.
  4. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Bisher lief alles sehr geplant. Das war ein viel zu großer Sprung ins Ungewisse.
  5. Ich hatte mein ganzes Leben in Deutschland, Freunde, Familie, meine schöne Wohnung… warum sollte ich das jetzt alles aufgeben?

Im Laufe der Ausbildung wuchs der Frust über diese Festgefahrenheit. Ich fühlte mich viel zu jung um so ein geordnetes Leben zu führen. Irgendwann wurde klar:

Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Das planen fing an. Meine Ausbildung würde ich noch fertig machen. Aber dann, das halbe Jahr zwischen Ausbildung und Studium, da muss ich einfach mal raus, was erleben. Also recherchierte ich Organisationen, für die ich in Südamerika arbeiten könnte und stieß auf das Otra Cosa Network in Trujillo, Peru. Ich wollte mit Kindern arbeiten, aber den kreativen Aspekt meiner Ausbildung irgendwie einbringen. Otra Cosa vermittelte mich an die NGO Fairmail. Ein geniales Projekt, welches benachteiligten Jugendlichen hilft sich mit Fotografie ein Hobbie und gleichzeitig einen Job, und somit völlig neue Perspektiven zu eröffnen.Außerdem vermittelte mir Otra Cosa eine Gastfamilie, bei der ich wohnen konnte.

Unterkunft und Job organisiert, Flüge gebucht.

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Nach ein paar Tagen war ich komplett im Huanchaco-Modus angekommen. Von da an bestanden die Tage aus Strand, Fotografie-Projekte mit den Peru-Kids, Spanisch lernen, Mojitos (ich sag nur 2 Mojitos für 3 €!)  und lange Nächte mit vielen neuen Freundschaften.

 

Das Leben war einfach perfekt. 

Deutschland war weit weg, Stress und Planung auch. Als ich dann auch noch Alejandro kennengelernt hatte war klar, dass ich wieder komme. Hätte uns jemand gesagt, dass wir mal heiraten würden und 3 Jahre später zusammen in Berlin wohnen würden, vermutlich hätten wir uns da noch n doppelten Mojito eingegossen.

Aber es kommt wie es kommt und in meinem Fall kamen vor allem Freunde aus Deutschland die mit mir durch Peru und Argentinien reisen wollten. Die Reise war schon lange geplant und eigentlich das Ende meiner Südamerika-Zeit. Ein geiler Abschluss sozusagen, über Iguazú nach Buenos Aires und dann zurück nach Deutschland. Und da fingen die großen Existenzfragen an. Die Reise würde ich machen, das war klar. Ich hatte Bock drauf, irgendwie wollte ich sogar gerne wieder nach Deutschland, zumindest mal hallo sagen. Aber jetzt wahllos irgend ein Studium anfangen. Und was überhaupt? Etwas zu machen, wo ich nicht zu 100 % hinter stehe kam nicht in Frage. Also plante ich meine Rückkehr nach Peru.

Nach einem Monat Deutschland saß ich wieder im Flugzeug nach Südamerika. One-Way-Ticket. 

Ich fing an intensiver von Peru aus zu arbeiten, mich selbstständig zu machen. Dank meiner Ausbildung hatte ich ein paar kleinere Kunden aus Deutschland, für die ich übers Internet arbeiten konnte. So fing ich an mich nach und nach zu stabilisieren. In Euros zu verdienen aber in peruanischen Soles auszugeben hat verdammt viele Vorteile. Vor allem das du nur 170 € Miete hast bei einer vollmöblierten 3 Zimmer-Wohnung. Ohne die Bezeichnung „Digitaler Nomade“ überhaupt zu kennen, fing ich an als Selbstständige im Ausland über das Internet  zu arbeiten.Die Tage waren entspannt, aber nie langweilig. Ich adoptierte einen Straßenhund den ich gefunden hatte. 4 Wochen alt, voller Flöhe, aber unvorstellbar süß. Marrón wurde zu meinem ständigen Begleiter, wo ich auch hinging war er mit am Start. Zum Markt, zum Yoga, zum Strand, der Hund war überall mit dabei.

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Freunde und Familie kamen mich besuchen, mein Leben verlief ziemlich ruhig, mit einigen Höhen und Tiefen. Leben halt. Da Alejandro und ich beide aus dem Grafikdesign kommen, beschlossen wir eine Idee von ihm in die Tat umzusetzen: eine lokale Zeitung zu gründen. Die Zeit war cool, aber um das Ding richtig zum Laufen zu kriegen hätte man ‘ne Menge Geld investieren müssen. Wie versuchten es 4 Monate Low-Budget, hatten aber bereits andere Pläne gesponnen. Denn manchmal packte es mich doch, diese Frage nach „Was kommt als nächstes, wo zieht es mich hin? Was will ich eigentlich noch so erreichen?“. Irgendwann beschloss ich, dass ich so zu jederzeit, in jedem Alter noch leben könnte. Freunde und Familie hatte ich jetzt auch in Peru. Ich konnte jederzeit immer wieder genau dieses Leben führen. Also beschlossen wir, dass es nach zwei Jahren Peru Zeit war, eine Zeit lang in Deutschland zu wohnen.

Also haben wir im Januar 2013 geheiratet – in Peru natürlich. 

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Aber wenn schon nach Deutschland, dann nach Berlin. Ich fing doch noch an zu studieren, Alejandro deutsch zu lernen. Und Marrón musste lernen, auch mal an der Leine zu laufen ;-).
Manchmal braucht man einfach mehr Zeit um zu wissen, was man machen will.

Na und das ist so ziemlich genau der Stand der Dinge. Seitdem leben, studieren und arbeiten wir im schönen Berlin. Wo es uns als nächstes hinzieht? Wenn ich eins gelernt habe, dann ist es keine festen Pläne für die Zukunft zu machen. Alles kommt anders als man denkt. Mein Leben hat innerhalb der letzten 3 Jahre eine Richtung eingeschlagen, die ich mir nie so erträumt hätte. Man wächst mit seinen Aufgaben. Und man lernt, das alles irgendwie funktioniert. Auf irgendeine Weise.

Ich weiß nicht wo ich in 3 weiteren Jahren bin.
Aber eins weiß ich: Es kann nur gut werden.

 


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10 Comments

  • […] Palmen, Sonnenuntergänge und lockeres Leben können eine ziemlich verlockende Mischung sein. Mir ist es selbst passiert, ich kenne vielen denen es passiert ist und es könnte dir auch passieren. […]

  • Und wo kann ich mein reaktion hinterlassen? AH! Aqui! Hahaha ! I understand your German! Great story Anne! I will be checking this site regurlarly! Keep up the good work! Ich wünsche dir viel Erfolg mit diese website!;)

  • […] war sehr lange in Peru. Wenn man irgendwo hängen bleibt, ohne das man es geplant hat, dann kann dies nur bedeutet: Hier ist es richtig geil! Ich habe mich total in Peru verliebt, aber […]

  • Manuela sagt:

    Schöne Geschichte und ein interessanter Zufall, dass unsere Leben sich so ziemlich zum selben Zeitpunkt verändert haben. Bei mir wars Costa Rica (und ohne Mann), aber mit demselben Gefühl von „das will ich!“. ;) Was so eine Reise nach Lateinamerika bewirken kann…
    Herzliche Grüsse

    • Anne sagt:

      Hey Manuela! Ich habe daraufhin ein Studium in Berlin angefangen (u.a. Spanisch mit Lateinamerikanistik) und du glaubst gar nicht wie viele Leute ich dabei kennen gelernt habe, denen es so geht wie uns ;-)

      • Manuela sagt:

        Haha, der Master in Latinamerican Studies steht bei mir auch ziemlich weit oben… Mal sehen, ob das wahr wird oder ob ich einfach gleich da bleibe. ;-)

  • […] geschrieben. Anne hat ca. 2 Jahre in Huanchaco im Norden Perus gelebt, obwohl sie ursprünglich nur 6 Monate dort geplant hatte. Sie hat sich in Land und Leute verliebt und 2013 in Huanchaco ihren peruanischen Freund […]

  • Simone sagt:

    Eine traumhafte Geschichte und du hast alles richtig gemacht.
    Sehr beneidenswert, dass du dein Business einfach so „nichtsahnend“ aufgezogen hast.
    Bei Instagram haben wir uns ja schon verfolgt und ich wünsche dir von <3 nur das Beste! :)

  • Alexandra sagt:

    Hallo Anne,
    deine Geschichte inspiriert mich. Toll, dass du das alles so durchgezogen hast! Mach weiter so, du machst es schon richtig.
    Dein Blog hat mir sehr geholfen, wir haben auch zwei Hunde und überlegen mit denen ein paar Monate in Südamerika zu verbringen. Sehr informativ. Übrigens, die sind auch adoptiert, aber aus Rumänien.
    Dank deinem Blog können auch andere deinem Beispiel folgen und den einen oder anderen Hund retten.

    Schönen Gruß
    Alex

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