Reiseblog mit Inspiration, Tipps und Reiseberichten

, / 6140 11

Cuzco und ich – eine Hassliebe

SHARE
Share

Ich liebe Cuzco. 

Nur um eins direkt klarzustellen: Ich liebe Cuzco. Es ist einfach eine wunder-, wunderschöne Stadt. Jeder der einmal die Möglichkeit haben sollte in die Hauptstadt der Inkas zu fahren, sollte es sofort tun. 

IMG_6252 Kopie

Cuzco hat vieles was ich im Rest von Peru vermisst habe. Eine wunderschöne Altstadt mit Fußgängerzone, viel Kultur, sehr weltoffene Menschen und die Landschaft ist der Wahnsinn.

IMG_6293 Kopie  IMG_6289 Kopie

Cuzco liegt auf knapp 3400 Metern Höhe und ich weiß nicht, ob es an der dünnen Luft liegt, oder daran, dass man der Sonne so extrem nah ist, aber Cuzco ist einfach „mágico“. Die Gässchen durch die Altstadt sind wunderschön und es geht endlos Treppen rauf und wieder runter…  Das ist für einen Flachlandmenschen wie mich gar nicht so einfach.

IMG_3675 Kopie

IMG_6287 Kopie

Die Stadt bietet dir einfach alles,  was du nur willst. Es gibt nette Cafés (die meisten mit Free Wifi) und eine gute Auswahl von Restaurants, sogar viele vegetarische. Die Preisklasse variiert je nachdem was man sucht, je nach Anspruch kann man auf jeden Fall ein 2-Gäng-Menü (inkl. Getränk) schon unter 2 € bekommen, nach oben ist natürlich auch alles offen. 

Es gibt tausende kleine Lädchen wo man tolle Taschen, Klamotten und Schmuck kaufen kann. Ich hätte die Dinger leer kaufen können. 

Wenn man müde von der Stadt wird, dann verzieht man sich in die Anden und macht Tageswanderungen. Einfach immer weiter nach oben laufen. Rund um Cuzco gibt es extrem viele (bekannte und weniger bekannte) Ruinen, viele liegen versteckt in kleinen Tälern oder im Wald. Man wandert durch kleine Dörfchen wo die Zeit stehen geblieben ist und schafft es stundenlang keine Menschenseele zu treffen. Ganz ehrlich, es ist einfach geil. 

IMG_4550

IMG_3549 Kopie

In Cuzco wird einem definitiv nicht langweilig. Schon gar nicht abends. Cuzco ist die absolute Partystadt und es gibt eigentlich immer und überall Live-Musik. Stilmäßig gibt’s hier eigentlich alles zu hören, vor allem aber Reggae und Tribal-Music, also mit andinen Einflüssen. Aber nicht so Panflötenspieler-mäßig vom Weihnachtsmarkt, sondern richtig Freako-Tattoo-Trommel-Mucke, da muss man einfach ne Runde abdrehen. Die Partys in Cuzco sind einfach total durchgeknallt, die Leute ziemlich crazy (liegt vermutlich auch an den ganzen Drogen) aber die Stimmung ist immer richtig gut! Du bist nie alleine, lernst ständig neue Leute kennen und kennste einen, kennste alle. 

Außerdem ist Cuzco die absolute Hippiestadt. Die „Magie der Anden“ zieht ziemlich viele (vor allem männliche) Peruaner und Ausländer an, die dir den ganzen Abend von der Kraft der Pachamama (Mutter Erde) erzählen bis du es selbst glaubst. Einer ist spiritueller als der andere und hat vermutlich ’ne Dosis Wachuma zu viel gehabt. Wachuma ist übrigens die stärkste Naturdroge der Welt und wird aus einem bestimmten Kaktus gewonnen. Es wird endlos getanzt, gesprungen, gehüpft, getrommelt und abgespackt. Die Musik ist geil und die Leute einfach mal so ganz anders als man sie sonst kennt. Alle sind irgendwie verrückt, aber freundlich. Man steht nie ohne Getränk da weil man ständig eingeladen wird. Und plötzlich stellt man fest, dass es ja schon 7 Uhr morgens ist.  

IMG_2146 Kopie

Dann geht man am besten auf den Markt im Stadtteil San Blas zum frühstücken. Hier gibt es verschiedene Frühstücksstände mit Marktfrauen, die dich nach dem zweiten Mal schon begrüßen mit „Amiga, das selbe wie immer?“ und du einen fetten Milchkaffee und einen riesen Obstsalat mit frischen Früchten für knapp 1,50 € bekommst. Hier ist der Treffpunkt der ganzen Waikis. Waikis sind eben jene Hippie-Typen, die man in ganz Südamerika findet. Waiki bedeutet „Bruder“ auf Quechua. Um mal tief in die Stereotypen-Kiste zu greifen: Waikis sind meistens „Lebenskünstler“ die ihr Geld mit Jonglieren oder „Artesanía“ (also Kunsthandwerk, meist Schmuck) verdienen, und aussehen wie Indianer-Hippies. Und genau die sind eben jene, die nachts mit dir durch die Bars und Clubs gehüpft sind, und die sich hier schnell morgens ein Brötchen und Saft mit irgendeiner magischen Frucht reinpfeifen die den Körper wieder entgiftet und fit macht. Frühstücken tut man also auch nie alleine. Wie gesagt, kennste einen, kennste alle. 

P1040207 Kopie  IMG_2123 Kopie

Fazit: Ich liebe Cuzco. Es ist nicht nur Ausgangspunkt für Machu Picchu, sondern bietet noch so viel mehr als das. Du lernst hier extrem viele Leute kennen und bist nie alleine. Hier kann man echt ’ne richtig gute Zeit haben…

… wenn sie dann nicht zu lang wird. So wie bei mir.

Ich hasse Cuzco.

Nein, ich hasse Cuzco nicht. Aber wir haben eine komplizierte Beziehung. Unser Start war super. Genauso wie beschrieben. Aber dann habe ich den großen Fehler gemacht und bin (mal wieder) hängen geblieben und war länger da als geplant. Und ganz ehrlich, es ging mir nachher total auf den Keks.

Erstmal: An die Höhe gewöhne ich mich einfach nicht. Die Höhenkrankheit hat mich zwar nie so richtig erwischt, aber es ist einfach total anstrengend. Erstmal gefühlte 4000 Stufen hoch zu gehen bevor ich zu Hause ankomme um dann mit Schnappatmung fast zusammenzuklappen, ist für mich einfach nix. Ich bin in der Nähe der holländischen Grenze aufgewachsen. Berge gibt’s bei uns nicht.  

IMG_4331 Kopie  IMG_2155

Ansonsten habe ich mich selten in einer Stadt so extrem wie eine Touristin gefühlt. Wo auch immer ich langging oder rumsaß, ständig kamen Verkäufer auf mich zu die mir (aus englisch!) allen möglichen Scheiß verkaufen wollten. Ich konnte die Straße nicht entlang gehen ohne das mich jemand mit „Massage, Miss?“ angesprochen hat.

Hinzu kam, dass ich über die „Amigos“ (auf deutsch würde ich da eher „flüchtige Bekannte“ zu sagen) in einer WG gelandet mit, die ich als Hippie-Waiki-Kommune bezeichnen würde.

Gut, dachte ich, „Leben in einer Hippie-Kommune in den Anden“ – kann ich das von der Bucket-List streichen. Privatsphäre ist da nicht so angesagt, warmes Wasser ebenfalls nicht. Aber ok, gehört halt zum Lifestyle dazu. ;-) Dafür hat die Monatsmiete schließlich auch nur knapp 50 € gekostet. Aber diese ganze Art der Leute ist mir nachher völlig auf den Wecker gegangen. Und das ist auch schon der Haupt-Hasspunkt den ich an Cuzco entwickelt habe. Die Leute, die ich am Anfang lustig, viel zu crazy aber nett fand, hatte ich schon von Anfang an mit einer gewissen Distanz betrachtet. Aber je mehr ich das Treiben beobachtete, umso alberner kam mir der ganze Zirkus vor. 

Dieses ganze „Ich-mach-auf-verrückten-Indio-Hippie-und-reiß-mir-irgendeine-Europäerin auf“-Spielchen war ziemlich langweilig zu beobachten. Die selben Typen, die sich immer wieder die gleiche Klasse von Mädel aufgabeln. Reist die eine ab, kommt die nächste. Jede Nacht das gleiche. 

Das ganze ist lustig, solange man mit Freundinnen unterwegs ist und man seine Späße drüber machen kann. Aber so ganz alleine wird das irgendwie langweilig. Und irgendwann habe ich mir gedacht, dass ich entweder auch ein häkelnder Indio-Hippie werden muss, oder schleunigst weiter reisen sollte. Ich bin handwerklich nicht so begabt, also war die Entscheidung damit zum Glück gefallen ;-)

 

© Dana Scobar – Flickr

© Dana Scobar – Flickr

Auch wenn mich vielleicht ein paar Sachen angenervt haben, war ich ein halbes Jahr später noch mal da. Allerdings nur für ein paar Tage. Und es hat mir wieder sehr gut gefallen. Vielleicht sollte man sich manchmal tatsächlich an „Man soll aufhören wenn’s am schönsten ist“ halten. 

Ich werde vermutlich in meinem Leben noch häufiger nach Cuzco fahren und werde mich jedes Mal freuen, wieder herzukommen. Nur sehe ich manche Dinge jetzt einfach aus einer anderen Perspektive. Und ich weiß jetzt, wann der Zeitpunkt da ist, um wieder zu fahren.

 

Kennst du Cuzco? Wie ist es dir ergangen? Oder ist es dir in einer anderen Stadt ähnlich ergangen?

 

 

 

 

11 Comments

  • Christoph sagt:

    Sehr schöne Website, Anne. Ich vertiefe mich gerade etwas tiefer und möchte nun auch zu diesem Beitrag meinen Senf abgeben. Cusco ist erst 10 Wochen her, die Eindrücke sind also noch recht frisch. War dort am Ende meines kleinen Südamerikatrips und hatte bereits Ecuador, Peru (außer Cusco) und Bolivien weitgehend erkundet. Was Dir an Cusco gefällt, gefällt mir auch. Trotzdem muss ich sagen, dass Arequipa mir besser gefallen hat. Auf jeden Fall von den Peruanern her, mit denen man in Arequipa doch ganz gut ins Gespräch kommen konnte, während Cusco einfach schon viel zu touristisch ist, dass du nur ein rumlaufendes Dollarbündel bist. Party war natürlich legendär in Cusco (in Arequipa allerdings auch). Deine Hippie-Erfahrungen konnte ich nicht in diesem Detail machen, kann es mir nach meinen Nächten dort aber lebhaft vorstellen ;) Gute Reise weiterhin!

    • Anne sagt:

      Schön das dir der Blog gefällt, Christoph :)
      Arequipa hat mir auch wunderbar gefallen, tolle historische Altstadt!
      Für mich hat Cusco trotzdem eine ganz eigene Verrücktheit, ist super spirituell und einfach der totale Hippie-Ort.
      Für eine gewisse Zeit ganz lustig, aber dann wirds irgendwann einfach zu viel…

  • Sarah sagt:

    Hallo Anne,
    ich war vor einem Jahr 5 Wochen in Cusco und kann das alles zu 100% unterschreiben..die Parties waren definitiv verrückt, die Stadt ist wunderwunderwunderschön aber es ging mir ziemlich auf den Geist, ständig wie eine Touristin behandelt und von den Taxifahrern abgezockt zu werden. Ich hatte nie das Gefühl, ich könnte in dieser Stadt wirklich ankommen. Vor meiner Peru Reise habe ich 6 Monate in Ecuador gelebt und mich dort viel, viel wohler gefühlt! Dort bin ich auch im „richtigen“ Leben mehr angekommen. Nichtsdestotrotz – Cusco lohnt sich auf jeden Fall!
    Liebe Grüße, Sarah

  • Liebe Anne, ich war noch nie dort. Aber ich kenne das Gefühl in Hippie-Gefilden angekommen zu sein, zum Beispiel jetzt aus Marokko. Ich mag die Atmosphäre dann sehr, würde aber nicht wirklich eintauchen wollen. Aus den von Dir beschriebenen Grüden!

    • Anne sagt:

      Liebe Bärbel,
      das kann ich gut verstehen.
      Ich bin da mehr „reingerutscht“, weil eigentlich so gut wie alle in Cusco sehr hippiemäßig drauf sind und mein Freund damals einige Zeit in Cusco war und dort mit Leuten in einer „WG“ gewohnt hat. Das heißt die Entscheidung war jetzt nicht wirklich bewusst, und es war auch wirklich eine sehr sehr lustige Zeit. Aber man muss einfach wissen, wie die Leute so drauf sind und das einschätzen können. Habe schon öfters ähnliches von Marokko gehört. Wo bist du denn dort genau? Würde mich ja auch mal reizen! ;-) LG

  • Svenja sagt:

    Hey Anne,
    erst einmal ein riesiges Kompliment für deine Website, gefällt mir richtig gut und schade, dass ich irgendwie erst jetzt darauf gestoßen bin! Deine „Hassliebe“ zu Cusco kann ich sehr gut nachvollziehen, mir geht es ähnlich, wobei die Liebe doch etwas überwiegt ;) Je länger man in der Stadt lebt, desto nerviger findet mal alles, Cusco ist nun mal eine Tourismus- und Hippie-Hochburg, aber auch einfach wahnsinnig bezaubernd und wunderschön. Man soll am besten wirklich gehen, wenn es am schönsten ist, wie du gesagt hast. Vor zwei Jahren fiel es mir verdammt schwer die Stadt zu verlassen, aber ich musste leider wieder zurück nach Deutschland. Das Gefühl, das ich dann hatte als ich zum zweiten Mal in Cusco ankam, kann ich bis heute nicht richtig beschreiben. Und bisher war ich auch selten an einem Ort so glücklich wie dort.
    Jetzt freu ich mich auf deine weiteren Einträge und liebe Grüße ;)

    • Anne sagt:

      Hey Svenja, oh, lieben Dank für deinen netten Kommentar! :) Schön das du jetzt dabei bist, ich freu mich wenn du häufiger reinschaust!
      Und über Peru werde ich sicherlich noch oft berichten.
      Die Liebe überwiegt bei mir tendenziell vermutlich auch. Aber dieser Waiki-Kram in Cusco, der war mir auf Dauer wirklich zu anstrengend ;-)
      Trotzdem ist Cusco eine wunder, wunderschöne Stadt und ich freue mich jedes Mal wieder herzukommen.
      Viele Grüße
      Anne

  • Frederike sagt:

    Anne,
    ich habe ein Jahr in Cusco gelebt und ich sag nur eines: AUF.DEN.PUNKT.
    Deine Beschreibung, besonders der letzte Teil, passt so sehr, dass es schon fast wehut.
    …und trotzdem liebe ich es! Und ziehe im April wieder zurück ;)

  • […] im Norden um Huaraz oder Chachapoyas oder den Süden (z.B. den Colca Canyon oder die Gegend um Cusco und Machu […]

  • Frederik sagt:

    Hey Anne-

    Cooler Schreibstil gefällt mir sehr gut, dass du so gesprochen schreibst- manchmal sind Blogs echt anstrengend aber deiner ist „fresh“;-) Kommt viel Charakter durch und ich glaube ich würde dich mögen=)
    Bin mal gespannt wie es mir ergeht bin seit 3 Tagen hier mit nem Musikprojekt-
    kannst gern mal in unsern Videoblog schauen der ist auch recht lebendig und wir schaffens recht schnell hinter die Touri-Fassade zu blicken.. https://www.youtube.com/watch?v=FPq_bFM_fGg

    Ich schau mich hier mal noch um auf deinem schönen Block..
    liebe Grüße
    Freddy

Hinterlasse eine Nachricht

Your email address will not be published.

Sei auf Facebook dabeischliessen
oeffnen

PASSWORD RESET

LOG IN